ArtificiumInvest arbeitet deshalb mit drei unterschiedlich ausgerichteten Strategiemodellen: Defensiv, Ausgewogen und Opportunitäten. Die Namen beschreiben keine festen Renditeversprechen und auch keine starren Musterdepots. Sie kennzeichnen vielmehr drei unterschiedliche Verhältnisse von Stabilitätsorientierung, langfristigen Ertragschancen und möglichen zwischenzeitlichen Verlusten.
Die Strategie Defensiv legt den Schwerpunkt stärker auf Anleihen, Geldmarkt und Liquidität. Ausgewogen verbindet stabilisierende und wachstumsorientierte Anlageklassen. Opportunitäten besitzt den höchsten Aktienanteil und damit regelmäßig die größten langfristigen Ertragschancen, aber auch die stärksten möglichen Wertschwankungen.
Welche Strategie geeignet ist, entscheidet sich nicht allein nach dem Alter des Mandanten oder nach der Frage, ob jemand sich selbst als vorsichtig oder mutig bezeichnet. Maßgeblich sind insbesondere Anlageziel, Anlagehorizont, Liquiditätsbedarf, Kenntnisse, Risikobereitschaft und die objektive Fähigkeit, Verluste finanziell zu tragen.
Die Antwort in einem Satz
Defensiv, Ausgewogen und Opportunitäten nutzen grundsätzlich ähnliche Anlagebausteine, gewichten sie aber unterschiedlich: Mit steigendem Aktienanteil nehmen die langfristigen Ertragschancen zu, zugleich wachsen die möglichen zwischenzeitlichen Verluste und der erforderliche Anlagehorizont.
Die Auswahl einer Strategie ist deshalb keine Prognose darüber, welche Anlageklasse im nächsten Jahr am besten abschneiden wird. Sie ist eine Entscheidung darüber, welches Risiko dauerhaft zur Aufgabe des Vermögens und zur Lebenssituation des Mandanten passt.
Die drei Strategien im direkten Vergleich
| Merkmal | Defensiv | Ausgewogen | Opportunitäten |
| Grundausrichtung | Stabilitätsorientierung und Begrenzung von Wertschwankungen | Stabilität und Wachstum in einem ausgewogenen Verhältnis | Schwerpunkt auf langfristigen Ertragschancen |
| Aktienanteil | Vergleichsweise niedrig | Mittlere Bedeutung innerhalb der Gesamtstruktur | Höchster Aktienanteil der drei Modelle |
| Stabilisierende Bausteine | Anleihen, Geldmarkt und Liquidität bilden den Schwerpunkt | Anleihen und Geldmarkt ergänzen die Aktienanlagen | Vorhanden, aber gegenüber Aktien geringer gewichtet |
| Weitere Beimischungen | Je nach Mandat und Marktlage ergänzende Strategien möglich | Ergänzende rohstoffnahe oder weitere diversifizierende Bausteine | Ergänzende Anlageklassen zur Streuung und Risikosteuerung |
| Wertschwankungen | Im Vergleich am niedrigsten, aber nicht ausgeschlossen | Deutlich möglich, regelmäßig zwischen Defensiv und Opportunitäten | Am höchsten; stärkere Rückgänge müssen tragbar sein |
| Anlagehorizont | Längerfristig | Längerfristig bis langfristig | Klar langfristig; Zeit ist ein zentraler Risikopuffer |
| Geeignet für | Anleger mit stärkerem Stabilitätswunsch und begrenzterer Verlusttoleranz | Anleger, die Wachstum und Stabilisierung verbinden möchten | Anleger mit hoher Verlusttragfähigkeit und hoher Schwankungstoleranz |
Die Tabelle dient der allgemeinen Orientierung. Die konkrete Zusammensetzung kann sich innerhalb der vereinbarten Anlagerichtlinien verändern. Auch ein defensives Portfolio kann Verluste erleiden; eine opportunitätsorientierte Strategie besteht umgekehrt nicht ausschließlich aus Aktien.
Drei Strategien – ein gemeinsames Anlageprinzip
Die Unterschiede zwischen den Modellen liegen vor allem in der Gewichtung der Anlageklassen. Das zugrunde liegende handwerkliche Prinzip bleibt gleich: Das Vermögen soll breit gestreut, nachvollziehbar aufgebaut, laufend überwacht und bei Bedarf systematisch angepasst werden.
Alle drei Modelle beruhen daher grundsätzlich auf denselben Arbeitsschritten:
Ziele, Anlagehorizont und Liquiditätsbedarf des Mandanten erfassen,
Risikobereitschaft und finanzielle Verlusttragfähigkeit voneinander unterscheiden,
geeignete Anlageklassen und Instrumente auswählen,
Abhängigkeiten und Klumpenrisiken begrenzen,
Zielgewichtungen und zulässige Bandbreiten festlegen,
das Portfolio laufend überwachen,
und durch Rebalancing oder gezielte Veränderungen an den vereinbarten Rahmen zurückführen.
Die Strategiemodelle sind somit keine drei voneinander getrennten Produktwelten. Sie verwenden teilweise ähnliche Bausteine, setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte und Risikobudgets.
Wie funktioniert die Strategie Defensiv?
Die Strategie Defensiv richtet sich an Anleger, für die die Begrenzung von Wertschwankungen eine hohe Bedeutung besitzt. Sie hat im Vergleich der drei Modelle den niedrigsten Aktienanteil. Den Schwerpunkt bilden breit gestreute Anleihen sowie Geldmarkt- und Liquiditätsanlagen.
Defensiv bedeutet dabei nicht, dass das Vermögen keinen Schwankungen unterliegt. Auch Anleihen können im Kurs fallen, etwa bei steigenden Zinsen, einer Verschlechterung der Kreditwürdigkeit eines Emittenten oder einer allgemeinen Marktkrise. Fonds, Währungen und ergänzende Anlageklassen bringen ebenfalls eigene Risiken mit sich.
Welche Aufgabe haben die Anleihen?
Anleihen können laufende Zinserträge erwirtschaften und die Schwankungen des Gesamtportfolios im Vergleich zu einem hohen Aktienanteil begrenzen. Entscheidend ist jedoch die konkrete Auswahl. Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Pfandbriefe, kurze Laufzeiten und langfristige Papiere reagieren nicht gleich auf wirtschaftliche Veränderungen.
Eine defensive Struktur sollte deshalb nicht einfach möglichst viele Anleihen enthalten. Wichtig sind insbesondere:
Bonität und Rückzahlungsfähigkeit der Emittenten,
Streuung über verschiedene Schuldner und Regionen,
Laufzeit und Zinssensitivität,
Währungsrisiken,
Liquidität und Handelbarkeit,
sowie das Verhältnis zwischen erwartbarem Ertrag und übernommenem Kreditrisiko.
Welche Aufgabe haben Geldmarkt und Liquidität?
Geldmarkt- und Liquiditätsanlagen können kurzfristige Stabilität und Handlungsfähigkeit schaffen. Sie helfen dabei, geplante Auszahlungen zu bedienen und verhindern, dass schwankungsanfällige Anlagen zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkauft werden müssen.
Zu viel dauerhaft gehaltene Liquidität ist allerdings ebenfalls nicht risikolos. Inflation kann die Kaufkraft mindern. Die Liquiditätsquote sollte deshalb nicht aus allgemeiner Angst, sondern aus dem tatsächlichen Finanzbedarf und dem strategischen Risikorahmen abgeleitet werden.
Welche Rolle spielen Aktien in der defensiven Strategie?
Auch eine defensive Strategie kann Aktien enthalten. Der begrenzte Aktienanteil soll langfristige Wachstumschancen eröffnen und der schleichenden Kaufkraftminderung entgegenwirken. Er bleibt jedoch kleiner als in den beiden anderen Modellen.
Gerade dieser Anteil kann in schwachen Börsenphasen spürbare Verluste verursachen. Umgekehrt kann eine vollständig aktienfreie Struktur bei langen Anlagezeiträumen das Risiko erhöhen, langfristig nicht genügend reale Wertentwicklung zu erzielen. Defensiv bedeutet daher nicht, sämtliche Wachstumsbausteine auszuschließen, sondern ihr Gewicht bewusst zu begrenzen.
Für wen kann Defensiv geeignet sein?
Die Strategie kann grundsätzlich zu Mandanten passen, die:
stärkere Wertschwankungen nur begrenzt tragen können oder möchten,
einen vergleichsweise hohen Stabilitätsbedarf besitzen,
regelmäßige Entnahmen planen,
bereits außerhalb des Depots erhebliche unternehmerische oder aktienähnliche Risiken tragen,
oder bewusst einen risikoärmeren Teil ihres Gesamtvermögens verwalten lassen möchten.
Sie ist dagegen nicht automatisch richtig, nur weil ein Anleger älter ist. Ein vermögender Ruheständler mit sehr langem Planungshorizont, hoher Verlusttragfähigkeit und ausreichender Liquidität kann mehr Risiko tragen als ein junger Anleger, der sein Kapital in wenigen Jahren für eine Immobilie benötigt.
Wie funktioniert die Strategie Ausgewogen?
Die Strategie Ausgewogen verbindet Aktien, Anleihen, Geldmarktanlagen und eine ergänzende rohstoffnahe Beimischung. Sie soll langfristige Wachstumschancen nutzen, ohne das Gesamtvermögen ausschließlich von den Aktienmärkten abhängig zu machen.
Ausgewogen bedeutet nicht, dass jede Anlageklasse immer exakt gleich gewichtet wird. Der Begriff beschreibt vielmehr ein Verhältnis, in dem wachstumsorientierte und stabilisierende Bausteine eine jeweils wesentliche Funktion übernehmen.
Aktien als Wachstumsmotor
Der Aktienanteil ist höher als in der defensiven Strategie. Er ermöglicht eine stärkere Beteiligung an der langfristigen Entwicklung internationaler Unternehmen. Gleichzeitig führt er dazu, dass Rückgänge an den Aktienmärkten das Gesamtportfolio deutlicher belasten können.
Die Aktienanlagen sollten deshalb möglichst breit nach Regionen, Branchen, Unternehmen und gegebenenfalls Währungen gestreut werden. Mehrere Fonds oder ETFs sind allein noch keine Diversifikation, wenn sie überwiegend dieselben großen Unternehmen halten.
Anleihen und Geldmarkt als Gegengewicht
Anleihen und Geldmarktanlagen sollen die Aktienrisiken nicht vollständig neutralisieren. Ihre Aufgabe besteht darin, zusätzliche Ertragsquellen zu erschließen, Liquidität zu sichern und die Gesamtvolatilität zu begrenzen.
In einzelnen Marktphasen können Aktien und Anleihen gleichzeitig fallen, beispielsweise bei einem schnellen Inflations- und Zinsanstieg. Ausgewogenheit ist daher keine Garantie, dass stets ein Portfolioteil steigt, wenn ein anderer fällt. Sie verteilt Risiken, beseitigt sie aber nicht.
Warum eine rohstoffnahe Beimischung?
Rohstoffnahe Anlagen, insbesondere Edelmetalle oder entsprechend ausgerichtete Fonds, können zusätzliche wirtschaftliche Einflussfaktoren in das Portfolio einbringen. Sie reagieren teilweise anders auf Inflation, Währungsbewegungen oder geopolitische Unsicherheit als klassische Aktien und Anleihen.
Auch solche Anlagen können stark schwanken und erzeugen teilweise keine laufenden Erträge. Ihre Funktion liegt daher regelmäßig in einer begrenzten Beimischung und nicht darin, Aktien oder Anleihen vollständig zu ersetzen.
Für wen kann Ausgewogen geeignet sein?
Das Modell kann grundsätzlich zu Anlegern passen, die:
an den langfristigen Chancen der Kapitalmärkte teilhaben möchten,
einen deutlichen Aktienanteil akzeptieren, aber keine reine Aktienstrategie wünschen,
zwischenzeitliche Verluste finanziell und emotional tragen können,
ihr Vermögen über mehrere Anlageklassen verteilen möchten,
und einen längerfristigen Anlagehorizont besitzen.
Die ausgewogene Strategie ist nicht automatisch der neutrale Standard für jeden Mandanten. Für manche Anleger ist sie zu schwankungsreich, für andere zu zurückhaltend. Die Bezeichnung „ausgewogen“ ersetzt deshalb niemals die persönliche Geeignetheitsprüfung.
Wie funktioniert die Strategie Opportunitäten?
Die Strategie Opportunitäten besitzt den höchsten Aktienanteil der drei Modelle. Sie richtet sich an langfristig orientierte Anleger, die stärkere zwischenzeitliche Wertschwankungen und Verlustrisiken akzeptieren können und den Schwerpunkt auf die langfristigen Ertragschancen internationaler Aktienmärkte legen.
Der Begriff Opportunitäten darf dabei nicht falsch verstanden werden. Er bedeutet nicht, dass das Depot ständig auf kurzfristige Börsentrends, Einzelaktienwetten oder spekulative Marktprognosen ausgerichtet wird. Das Fundament bleibt auch hier eine breit diversifizierte und systematisch überwachte Vermögensstruktur.
Warum führt ein höherer Aktienanteil zu größeren Chancen und Risiken?
Aktien verbriefen Beteiligungen an Unternehmen. Langfristig können Anleger an Produktivitätsfortschritten, Gewinnen, Innovationen und dem Wachstum der Weltwirtschaft teilhaben. Kurz- und mittelfristig schwanken Aktienkurse jedoch erheblich und können in schweren Krisen stark fallen.
Je größer der Aktienanteil ist, desto stärker wirken solche Bewegungen auf das Gesamtdepot. Ein hoher Aktienanteil kann deshalb nur sinnvoll sein, wenn der Mandant nicht gezwungen ist, während eines deutlichen Kursrückgangs größere Beträge zu entnehmen.
Warum bleibt Diversifikation auch bei Opportunitäten wichtig?
Eine chancenorientierte Strategie ist keine Einladung zur Konzentration. Gerade bei höherem Aktienrisiko ist eine breite Streuung besonders wichtig. Sie kann umfassen:
verschiedene Länder und Wirtschaftsregionen,
unterschiedliche Branchen und Geschäftsmodelle,
große, mittlere und gegebenenfalls kleinere Unternehmen,
mehrere Währungsräume,
sowie ergänzende Anleihen, Liquidität und weitere Anlageklassen.
Diversifikation schützt nicht vor einem allgemeinen Einbruch der Aktienmärkte. Sie reduziert jedoch die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen, Branchen, Staaten oder Modethemen.
Für wen kann Opportunitäten geeignet sein?
Das Modell kann grundsätzlich zu Mandanten passen, die:
einen sehr langfristigen Anlagehorizont besitzen,
stärkere zwischenzeitliche Verluste finanziell tragen können,
auch in Krisen an einer vereinbarten Strategie festhalten können,
über ausreichende Liquiditätsreserven außerhalb des risikoreicheren Portfolioteils verfügen,
und den Schwerpunkt bewusst auf langfristiges Kapitalwachstum legen.
Opportunitäten ist ungeeignet, wenn das Kapital in absehbarer Zeit sicher benötigt wird oder wenn bereits moderate Kursverluste voraussichtlich zu einem Abbruch der Strategie führen würden. Die höchste erwartbare Renditechance nützt wenig, wenn die Strategie psychologisch oder finanziell nicht durchgehalten werden kann.
Opportunitäten bedeutet nicht Spekulation
Zwischen einer chancenorientierten Vermögensverwaltung und kurzfristiger Spekulation besteht ein wesentlicher Unterschied.
Spekulation versucht häufig, kurzfristige Kursbewegungen, einzelne Ereignisse oder Marktstimmungen auszunutzen. Eine opportunitätsorientierte Vermögensverwaltung setzt dagegen vor allem auf einen langfristig höheren Anteil produktiver Unternehmensbeteiligungen und akzeptiert deren unvermeidbare Schwankungen.
Das bedeutet:
keine Garantie, den richtigen Ein- oder Ausstiegszeitpunkt zu treffen,
keine Abhängigkeit von einer einzelnen Börsenprognose,
keine Konzentration des gesamten Vermögens auf ein aktuelles Trendthema,
sondern ein langfristiger strategischer Rahmen mit höherem Aktienrisiko.
Welche Instrumente können in den Strategien eingesetzt werden?
Je nach Mandat, Anlagerichtlinien und aktueller Portfoliostruktur können unterschiedliche Fonds- und Wertpapierarten eingesetzt werden. Dazu können insbesondere Aktienfonds und Aktien-ETFs, Rentenfonds, Geldmarktinstrumente, Misch- und Strategiefonds sowie rohstoffnahe Anlagen gehören.
Entscheidend ist nicht die Produktbezeichnung, sondern die wirtschaftliche Funktion im Gesamtportfolio. Ein Mischfonds kann beispielsweise bereits Aktien-, Anleihe- und Währungsrisiken enthalten. Ein Rohstoffprodukt kann rechtlich als Fonds, Schuldverschreibung oder besichertes Wertpapier ausgestaltet sein. Diese Unterschiede müssen in der Risikobetrachtung berücksichtigt werden.
Einzelne Fonds können Derivate zur Absicherung, zur effizienten Portfoliosteuerung oder zur Umsetzung ihrer Anlagestrategie verwenden. Daraus folgt nicht automatisch, dass das Mandantendepot spekulativ ausgerichtet ist. Maßgeblich sind der tatsächliche Risikobeitrag, die Produktstruktur und die vereinbarten Grenzen.
Warum gibt es keine festen Prozentzahlen im Blog?
Anleger wünschen häufig eine einfache Tabelle mit dauerhaft festen Quoten. Eine solche Darstellung kann jedoch einen falschen Eindruck vermitteln.
Die konkrete Aufteilung hängt unter anderem ab von:
den vertraglich vereinbarten Anlagerichtlinien,
der persönlichen Vermögens- und Liquiditätssituation,
bestehenden Anlagen außerhalb des verwalteten Depots,
der Risikotragfähigkeit des Mandanten,
Bewertungen, Zinsen und verfügbaren Anlageinstrumenten,
sowie notwendigen Anpassungen und dem Rebalancing.
Die Strategiebezeichnungen legen damit einen Risikorahmen fest, aber keine für alle Zeiten unveränderliche Mischung. Änderungen dürfen dennoch nicht beliebig erfolgen. Sie müssen innerhalb der vereinbarten Vorgaben liegen und zum Risikoprofil des Mandanten passen.
Was ist Rebalancing und warum gehört es zu allen drei Strategien?
Nach der anfänglichen Investition verändern Kursbewegungen automatisch die Gewichte im Portfolio. Steigen Aktien stärker als Anleihen, erhöht sich der Aktienanteil. Das Depot kann dadurch risikoreicher werden, obwohl der Mandant keine bewusste Entscheidung für mehr Risiko getroffen hat.
Beim Rebalancing werden über- und untergewichtete Bereiche wieder an die strategischen Zielgrößen oder Bandbreiten angenähert. Dies kann durch Käufe, Verkäufe, neue Einzahlungen oder die Verwendung von Ausschüttungen erfolgen.
Die konkrete Wirkung unterscheidet sich je nach Modell:
Bei Defensiv soll verhindert werden, dass der Aktienanteil nach starken Kursanstiegen ungewollt zu groß wird.
Bei Ausgewogen soll das Verhältnis zwischen Wachstums- und Stabilitätsbausteinen erhalten bleiben.
Bei Opportunitäten soll trotz des höheren Aktienanteils verhindert werden, dass einzelne Regionen, Branchen oder Themen das Portfolio dominieren.
Rebalancing ist keine Garantie für Mehrertrag. Es ist vor allem ein Instrument der Risikodisziplin.
Wie wird die passende Strategie ausgewählt?
Die Auswahl darf nicht allein auf einem kurzen Bauchgefühl beruhen. Bei Anlageberatung und Vermögensverwaltung müssen ausreichende Informationen eingeholt werden, damit die Dienstleistung und die eingesetzten Finanzinstrumente zu den persönlichen Merkmalen des Kunden passen.
Besonders wichtig sind fünf Ebenen:
1. Anlageziel
Soll das Vermögen langfristig wachsen, regelmäßige Auszahlungen finanzieren, Kaufkraft erhalten, eine spätere Schenkung vorbereiten oder als Sicherheitsreserve dienen? Ein Vermögen kann mehrere Aufgaben gleichzeitig besitzen. Dann kann eine Aufteilung auf verschiedene Strategiebereiche sinnvoller sein als eine einzige Lösung für das gesamte Kapital.
2. Anlagehorizont
Die Modelle sind auf eine längerfristige Anlage ausgerichtet. Ein Zeitraum von fünf Jahren ist eher eine Untergrenze als eine Garantie dafür, zwischenzeitliche Verluste vollständig auszugleichen. Je höher der Aktienanteil, desto wichtiger wird ein deutlich längerer und flexibler Planungshorizont.
3. Risikobereitschaft
Risikobereitschaft beschreibt, welche Schwankungen ein Anleger emotional akzeptiert. Viele Menschen überschätzen diese Bereitschaft in ruhigen Börsenphasen. Erst ein tatsächlicher Verlust zeigt, ob die gewählte Strategie auch unter Belastung durchgehalten werden kann.
4. Verlusttragfähigkeit
Verlusttragfähigkeit ist keine Gefühlsfrage. Sie beschreibt, welche Verluste finanziell verkraftet werden können, ohne Lebenshaltung, geplante Ausgaben oder andere Verpflichtungen zu gefährden. Ein Mandant kann sehr risikofreudig sein und dennoch nur geringe Verluste tragen können.
5. Kenntnisse und Erfahrungen
Komplexere Anlageinstrumente und stärkere Schwankungen müssen verstanden werden. Der Mandant sollte nachvollziehen können, warum bestimmte Anlageklassen eingesetzt werden, welche Risiken bestehen und weshalb die Wertentwicklung zeitweise deutlich negativ sein kann.
Risikobereitschaft und Verlusttragfähigkeit sind nicht dasselbe
Diese Unterscheidung ist für die Strategiewahl entscheidend.
| Frage | Risikobereitschaft | Verlusttragfähigkeit |
| Worum geht es? | Welche Schwankungen möchte und kann ich emotional aushalten? | Welche Verluste kann meine finanzielle Situation objektiv verkraften? |
| Typische Einflussfaktoren | Erfahrungen, Persönlichkeit, Reaktion auf Krisen und Kursverluste | Einkommen, Vermögen, Verpflichtungen, Liquiditätsbedarf und Planungshorizont |
| Beispiel | Ein Anleger bleibt auch bei 20 Prozent Rückgang ruhig. | Das Kapital wird in zwei Jahren für eine Immobilie benötigt; ein solcher Rückgang wäre wirtschaftlich nicht tragbar. |
| Folge für die Strategie | Eine höhere Schwankungsbereitschaft kann mehr Aktienrisiko ermöglichen. | Eine geringe Verlusttragfähigkeit begrenzt das Risiko unabhängig von der persönlichen Risikofreude. |
Die geeignete Strategie richtet sich stets nach dem begrenzenderen Faktor. Hohe Risikobereitschaft kann eine geringe finanzielle Verlusttragfähigkeit nicht ausgleichen.
Kann ein Mandant zwischen den Strategien wechseln?
Die Lebenssituation eines Menschen verändert sich. Ruhestand, Immobilienkauf, Unternehmensverkauf, Erbschaft, Krankheit, regelmäßige Entnahmen oder familiäre Verpflichtungen können dazu führen, dass eine bisher passende Strategie überprüft werden muss.
Ein Wechsel sollte jedoch nicht allein deshalb erfolgen, weil eine andere Strategie zuletzt besser abgeschnitten hat. Wer nach Kursanstiegen in Opportunitäten wechselt und nach Verlusten in Defensiv, läuft Gefahr, Risiken teuer zu kaufen und nach Rückgängen wieder zu verkaufen.
Sachliche Gründe für eine Überprüfung können sein:
ein veränderter Anlagehorizont,
höherer oder niedrigerer Liquiditätsbedarf,
neue regelmäßige Entnahmen,
eine veränderte Einkommens- oder Vermögenssituation,
zusätzliche Risiken aus Unternehmen oder Immobilien,
eine dauerhaft veränderte Risikobereitschaft,
oder eine neue familiäre und erbrechtliche Planung.
Welche Strategie hat die beste Rendite?
Diese Frage lässt sich im Voraus nicht seriös beantworten.
Langfristig besitzt die Strategie mit dem höchsten Aktienanteil grundsätzlich die größten Ertragschancen. Sie kann in einzelnen Jahren oder über längere Zeiträume aber auch deutlich schlechter abschneiden als defensivere Modelle. Steigende Zinsen, Rezessionen, politische Krisen oder stark fallende Aktienbewertungen können zu erheblichen Rückgängen führen.
Umgekehrt kann eine defensive Strategie in schwachen Aktienphasen stabiler sein, in langen Aktienhaussephasen jedoch hinter chancenorientierten Portfolios zurückbleiben. Auch Anleihen können bei Zinsanstiegen Verluste verursachen.
Die beste Strategie ist daher nicht jene, die rückblickend die höchste Rendite erzielt hat. Es ist jene, deren Risiken zur Aufgabe des Vermögens passen und die der Mandant auch in schwierigen Marktphasen durchhalten kann.
Welche Strategie ist die sicherste?
Defensiv weist im Modellvergleich die stärkste Stabilitätsorientierung auf. Daraus darf jedoch keine Kapitalgarantie abgeleitet werden.
Sicherheit besitzt mehrere Bedeutungen:
geringe kurzfristige Kursschwankungen,
hohe Wahrscheinlichkeit, geplante Auszahlungen leisten zu können,
Schutz vor Inflation und Kaufkraftverlust,
breite Streuung von Emittenten- und Marktrisiken,
sowie langfristige Erhaltung und Entwicklung des realen Vermögens.
Eine hohe Liquiditätsquote kann kurzfristig stabil wirken, langfristig aber Kaufkraft verlieren. Ein hoher Aktienanteil kann kurzfristig stark schwanken, langfristig aber bessere Wachstumschancen bieten. Sicherheit muss daher immer im Verhältnis zum Anlageziel und Zeithorizont beurteilt werden.
Typische Missverständnisse über die drei Modelle
„Defensiv kann nicht verlieren.“
Falsch. Zinsänderungen, Kreditrisiken, Fondskosten, Währungen und ein begrenzter Aktienanteil können auch in der defensiven Strategie zu Verlusten führen.
„Ausgewogen bedeutet immer 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Anleihen.“
Falsch. Ausgewogen beschreibt das Verhältnis von Stabilitäts- und Wachstumsbausteinen, nicht zwangsläufig eine starre Halbierung. Die konkrete Gewichtung ergibt sich aus Anlagerichtlinien und individueller Geeignetheit.
„Opportunitäten sucht kurzfristige Börsengewinne.“
Falsch. Das Modell besitzt vor allem einen höheren Aktienanteil und ist langfristig ausgerichtet. Es bleibt breit diversifiziert und folgt nicht automatisch kurzfristigen Trends.
„Ein höheres Risiko führt automatisch zu höherer Rendite.“
Falsch. Höheres Risiko schafft lediglich die Möglichkeit höherer Erträge und zugleich die Gefahr größerer Verluste. Es besteht kein Anspruch darauf, für jedes übernommene Risiko tatsächlich belohnt zu werden.
„Die Strategie muss jedes Jahr gewechselt werden.“
Falsch. Eine langfristige Strategie sollte nicht aufgrund jeder Marktprognose verändert werden. Anpassungen benötigen einen nachvollziehbaren strategischen, persönlichen oder risikobezogenen Grund.
Kann das Gesamtvermögen auf mehrere Strategien verteilt werden?
Ja, eine funktionale Aufteilung kann sinnvoll sein. Ein Mandant kann beispielsweise einen Vermögensteil für planbare Entnahmen stabilitätsorientierter anlegen und einen anderen Teil für die langfristige nächste Generation chancenorientierter strukturieren.
Voraussetzung ist, dass die Aufteilung als Gesamtvermögen betrachtet wird. Mehrere Depots oder Strategieteile dürfen nicht zu unbemerkten Doppelungen, widersprüchlichen Entscheidungen oder einer falschen Einschätzung des Gesamtrisikos führen.
Entscheidend ist daher nicht nur die Frage, wie riskant jedes einzelne Depot ist. Entscheidend ist, welche Aufgabe jeder Vermögensteil erfüllt und wie alle Teile zusammenwirken.
Wie werden die Strategien laufend überwacht?
Eine Vermögensverwaltung endet nicht mit der anfänglichen Investition. Die Portfolios müssen fortlaufend daraufhin überprüft werden, ob sie weiterhin innerhalb der vereinbarten Anlagerichtlinien liegen und zur Situation des Mandanten passen.
Zur laufenden Arbeit können gehören:
Kontrolle der Anlageklassen und Zielbandbreiten,
Überwachung von Bonität, Laufzeiten und Liquidität,
Prüfung von Fonds, ETFs und anderen Instrumenten,
Beobachtung von Kosten und steuerlich relevanten Vorgängen,
Erkennen von Konzentrationen und Überschneidungen,
Rebalancing,
und Anpassung bei wesentlichen Veränderungen der Mandantensituation.
Laufende Überwachung bedeutet nicht zwangsläufig häufiges Handeln. Mitunter besteht die professionelle Entscheidung gerade darin, eine langfristig geeignete Position trotz kurzfristiger Unruhe beizubehalten.
Unser Verständnis bei ArtificiumInvest
Bei ArtificiumInvest verstehen wir Vermögensverwaltung als Handwerk. Die drei Strategiemodelle sind deshalb keine Renditegeschichten aus der Glaskugel, sondern unterschiedliche Baupläne für verschiedene finanzielle Aufgaben.
Ein Handwerker verwendet nicht überall dasselbe Material. Ein tragendes Fundament, eine flexible Innenkonstruktion und eine wetterfeste Außenfläche erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Genauso übernehmen Aktien, Anleihen, Geldmarkt, Liquidität und ergänzende Anlageklassen verschiedene Funktionen innerhalb eines Vermögens.
Unser Vorgehen lautet:
Zuerst den Auftrag des Vermögens verstehen.
Dann Risikobereitschaft und Verlusttragfähigkeit bestimmen.
Anschließend den passenden Strategierahmen wählen.
Geeignete Anlagebausteine sorgfältig kombinieren.
Das Gesamtportfolio laufend überwachen.
Und Änderungen nur aus nachvollziehbaren Gründen vornehmen.
Ausgehend von Defensiv, Ausgewogen oder Opportunitäten kann die Anlagestrategie im Rahmen der vereinbarten Anlagerichtlinien an die persönliche Vermögenssituation und die individuellen Ziele des Mandanten angepasst werden.
Die regulierten Wertpapierdienstleistungen werden – abhängig von der gewählten Leistung – unter der Verantwortung der BN & Partners Capital AG beziehungsweise durch die Reuss Private Bank für Wertpapierhandel AG erbracht. Die konkreten Vertragspartner, Zuständigkeiten, Anlagegrenzen und Kosten ergeben sich aus den jeweiligen Vertragsunterlagen.
Fazit: Nicht die höchste Renditechance, sondern die passende Strategie entscheidet
Die drei Strategien von ArtificiumInvest unterscheiden sich vor allem durch die Gewichtung von Aktien, Anleihen, Geldmarkt, Liquidität und ergänzenden Anlageklassen.
Defensiv stellt die Begrenzung von Wertschwankungen stärker in den Vordergrund. Ausgewogen verbindet Stabilitäts- und Wachstumsbausteine. Opportunitäten besitzt den höchsten Aktienanteil und damit die größten langfristigen Ertragschancen, aber auch das höchste Risiko erheblicher zwischenzeitlicher Verluste.
Keine der drei Strategien ist allgemein besser als die anderen. Entscheidend ist, ob sie:
zum Anlageziel passt,
mit dem tatsächlichen Anlagehorizont vereinbar ist,
den Liquiditätsbedarf berücksichtigt,
finanziell tragbare Verluste nicht überschreitet,
und auch in schwierigen Marktphasen durchgehalten werden kann.
Eine gute Vermögensverwaltung versucht deshalb nicht, jedem Mandanten die Strategie mit der höchsten theoretischen Rendite zu verkaufen. Sie wählt den Risikorahmen, der zur Aufgabe des Vermögens passt, setzt ihn diszipliniert um und überprüft ihn fortlaufend.
ArtificiumInvest – Ihr Vermögen ist unser Handwerk.
Welche Strategie passt zu Ihrem Vermögen?
In einem persönlichen Erstgespräch betrachten wir Ihre Ziele, den zeitlichen Horizont, bestehende Vermögenswerte, geplante Auszahlungen und Ihre finanzielle Verlusttragfähigkeit. Auf dieser Grundlage lässt sich prüfen, ob Defensiv, Ausgewogen oder Opportunitäten als Ausgangspunkt für Ihre persönliche Vermögensverwaltung geeignet ist.
Unverbindliches Erstgespräch vereinbaren
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt weder eine individuelle Anlageberatung noch eine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die Strategiebezeichnungen sind keine Garantie für eine bestimmte Wertentwicklung oder Verlustbegrenzung. Auch defensive Anlagen können Verluste erleiden; bei der Strategie Opportunitäten sind erhebliche zwischenzeitliche Wertverluste möglich. Die konkrete Eignung, Zusammensetzung, Risikoklasse, Anlagerichtlinien und Kosten ergeben sich ausschließlich aus der persönlichen Geeignetheitsprüfung und den jeweiligen Vertragsunterlagen.
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