Was sind Indexfonds (ETFs)?

Was sind Indexfonds (ETFs)?

Doch was genau ist ein ETF? Wie funktioniert ein Indexfonds? Und weshalb bedeutet „passiv investieren“ keineswegs, dass Anleger auf eine durchdachte Anlagestrategie verzichten können?

Was ist ein Index?

Ein Index bildet die Wertentwicklung eines bestimmten Marktes oder Marktsegments nach. Bekannte Aktienindizes fassen beispielsweise große deutsche, europäische oder internationale Unternehmen zusammen.

Ein Index ist zunächst nur eine rechnerische Messgröße. Er zeigt, wie sich die in ihm enthaltenen Wertpapiere insgesamt entwickeln. Direkt kaufen kann man einen Index nicht.

Ein Indexfonds versucht deshalb, die Wertentwicklung eines solchen Index möglichst genau nachzubilden. Steigt der zugrunde liegende Index, steigt grundsätzlich auch der Wert des Fonds. Fällt der Index, verliert in der Regel ebenfalls der Fonds an Wert.

Was bedeutet ETF?

ETF ist die Abkürzung für Exchange Traded Fund – also einen börsengehandelten Investmentfonds. ETF-Anteile können während der Börsenöffnungszeiten gekauft und verkauft werden.

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe ETF und Indexfonds häufig gleichgesetzt. Technisch ist das nicht vollständig präzise: „ETF“ beschreibt zunächst die Handelbarkeit eines Fonds an der Börse. Die meisten bekannten ETFs verfolgen eine passive, indexorientierte Strategie. Inzwischen existieren jedoch auch aktiv gemanagte ETFs. Bei einem passiven Indexfonds muss klar ausgewiesen werden, welchen Index er nachbildet.

Wie funktioniert ein Indexfonds?

Ein klassischer Indexfonds versucht nicht, durch die Auswahl vermeintlich besonders aussichtsreicher Einzelwerte besser als der Markt zu sein. Stattdessen folgt er festgelegten Indexregeln.

Bildet ein ETF beispielsweise einen internationalen Aktienindex ab, investiert er entsprechend der Indexzusammensetzung in die darin enthaltenen Unternehmen. Ändert der Indexanbieter die Zusammensetzung, passt auch der ETF sein Portfolio entsprechend an.

Das Fondsmanagement entscheidet daher nicht fortlaufend, welche Unternehmen künftig besonders erfolgreich sein könnten. Seine Aufgabe besteht vor allem darin, den gewählten Index möglichst genau und effizient abzubilden.

Diese Abbildung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen:

Physische Nachbildung

Bei der physischen Replikation kauft der ETF die im Index enthaltenen Wertpapiere tatsächlich.

Bei einer vollständigen Replikation werden grundsätzlich sämtliche Indexbestandteile entsprechend ihrer Gewichtung erworben. Bei sehr umfangreichen Indizes kann der Fonds stattdessen eine repräsentative Auswahl verwenden. Dieses Verfahren wird als Sampling bezeichnet.

Synthetische Nachbildung

Ein synthetischer ETF bildet den Index mithilfe eines Tauschgeschäfts, eines sogenannten Swaps, nach. Dabei tauscht der Fonds die Wertentwicklung seines eigenen Wertpapierbestands gegen die Wertentwicklung des gewünschten Index.

Beide Verfahren können grundsätzlich zur Indexabbildung eingesetzt werden. Die Replikationsmethode, mögliche Gegenparteirisiken und die erwartete Abweichung vom Index müssen in den Fondsunterlagen erläutert werden.

Welche Vorteile können Indexfonds bieten?

1. Breite Diversifikation

Mit einem breit aufgestellten ETF können Anleger gleichzeitig in eine große Zahl unterschiedlicher Unternehmen, Regionen oder Branchen investieren.

Das reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen. Gerät ein einzelner Titel unter Druck, wirkt sich dies in einem breit diversifizierten Portfolio weniger stark aus als bei einer konzentrierten Einzelanlage.

Allerdings ist nicht jeder ETF automatisch breit gestreut. Ein ETF auf eine einzelne Branche, ein bestimmtes Land oder ein enges Anlagethema kann erheblich konzentrierter sein als ein weltweiter Aktienindex.

2. Vergleichsweise niedrige Kosten

Da ein passiver Indexfonds keine umfangreiche laufende Titelauswahl benötigt, sind seine Verwaltungskosten häufig niedriger als die vieler aktiv gemanagter Fonds.

Kosten sind für den langfristigen Anlageerfolg von erheblicher Bedeutung. Jeder Euro, der für laufende Gebühren aufgewendet wird, steht nicht mehr für den weiteren Vermögensaufbau zur Verfügung. Auch die europäische Wertpapieraufsicht ESMA weist darauf hin, dass Anleger bei Investmentfonds nicht nur die Wertentwicklung, sondern ebenso die gesamten Produkt- und Vertriebskosten berücksichtigen sollten.

Niedrige Kosten allein machen einen ETF jedoch noch nicht zu einer geeigneten Anlage. Ein preiswerter Fonds auf einen ungeeigneten oder zu riskanten Index bleibt eine ungeeignete Anlage.

3. Klare und nachvollziehbare Regeln

Bei einem Indexfonds ist grundsätzlich festgelegt, welcher Index nachgebildet wird. Anleger können daher nachvollziehen, nach welchen Regeln Wertpapiere aufgenommen, gewichtet und gegebenenfalls wieder entfernt werden.

Das schafft Transparenz. Trotzdem sollten Anleger die Indexmethodik genau prüfen. Zwei Indizes mit ähnlich klingenden Namen können sich hinsichtlich Ländergewichtung, Unternehmensgröße, Branchenverteilung und Auswahlregeln deutlich unterscheiden.

4. Flexible Handelbarkeit

ETFs werden über die Börse gehandelt. Dadurch können ihre Anteile während der Börsenzeiten gekauft und verkauft werden.

Neben den laufenden Fondskosten können dabei allerdings weitere Kosten entstehen, etwa Ordergebühren sowie die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs. Gerade bei kleineren Käufen oder häufigen Umschichtungen sollten diese Kosten nicht unterschätzt werden.

Welche Risiken haben ETFs?

Ein ETF beseitigt nicht die Risiken der Anlageklasse, die er abbildet. Ein Aktien-ETF bleibt eine Aktienanlage und kann erheblich im Wert schwanken. Ein Anleihen-ETF kann unter steigenden Zinsen, Bonitätsverschlechterungen oder Zahlungsausfällen leiden. Bei Anlagen außerhalb des Euroraums können zusätzlich Währungsschwankungen auftreten.

Die BaFin weist ausdrücklich darauf hin, dass ETFs dem Marktpreisrisiko unterliegen. Die breite Streuung eines Fonds kann Einzelrisiken reduzieren, schützt jedoch nicht vor einem allgemeinen Rückgang des zugrunde liegenden Marktes.

Zu den wesentlichen Risiken und Auswahlmerkmalen gehören insbesondere:

  • die Zusammensetzung und Konzentration des Index,
  • die jeweilige Anlageklasse,
  • Länder-, Branchen- und Währungsrisiken,
  • die Replikationsmethode,
  • die laufenden Kosten,
  • die Handelskosten und Geld-Brief-Spanne,
  • die Fondsgröße und Handelbarkeit,
  • mögliche Wertpapierleihe,
  • sowie die Abweichung zwischen Fonds- und Indexentwicklung.

Was sind Tracking Difference und Tracking Error?

Das Ziel eines Indexfonds besteht darin, die Wertentwicklung seines Index möglichst genau nachzubilden. Vollkommen identisch verlaufen Index und ETF jedoch normalerweise nicht.

Die Tracking Difference beschreibt den tatsächlichen Renditeunterschied zwischen ETF und Index über einen bestimmten Zeitraum. Ursachen können unter anderem laufende Kosten, Steuern, Transaktionskosten oder der Zeitpunkt der Wiederanlage von Ausschüttungen sein.

Der Tracking Error misst dagegen, wie stark diese Abweichung im Zeitverlauf schwankt. Beide Kennzahlen können Hinweise auf die Qualität der Indexabbildung geben. Die ESMA verlangt deshalb bei indexnachbildenden Fonds Angaben zur erwarteten und tatsächlich eingetretenen Abweichung vom Referenzindex.

Ausschüttend oder thesaurierend?

Bei vielen ETFs können Anleger zwischen ausschüttenden und thesaurierenden Anteilklassen wählen.

Ein ausschüttender ETF zahlt erhaltene Dividenden oder Zinsen regelmäßig an die Anleger aus. Bei einem thesaurierenden ETF verbleiben diese Erträge im Fonds und werden automatisch wieder angelegt.

Welche Variante geeigneter ist, hängt vom Anlageziel ab. Wer regelmäßige Zahlungen benötigt, kann eine Ausschüttung bevorzugen. Beim langfristigen Vermögensaufbau kann die automatische Wiederanlage praktisch sein. Steuerliche Auswirkungen sollten stets anhand der persönlichen Situation beurteilt werden.

Ist ein einzelner ETF bereits eine vollständige Anlagestrategie?

Nicht unbedingt.

Ein weltweit investierender Aktien-ETF kann bereits eine breite Streuung innerhalb der Anlageklasse Aktien ermöglichen. Er beantwortet jedoch noch nicht die entscheidenden Fragen einer vollständigen Vermögensstrategie:

  • Welcher Anteil des Vermögens soll überhaupt in Aktien investiert werden?
  • Welche Schwankungen kann und will der Anleger tragen?
  • Welche Rolle spielen Anleihen, Gold und Liquidität?
  • Wann und nach welchen Regeln wird das Portfolio angepasst?
  • Wie werden Entnahmen und zukünftiger Kapitalbedarf berücksichtigt?
  • Was geschieht bei starken Marktbewegungen?

Ein ETF ist daher zunächst ein Anlageinstrument. Aus mehreren geeigneten Instrumenten muss anschließend ein Portfolio entstehen, das zum Anlageziel, zum Zeithorizont und zur Risikotragfähigkeit des jeweiligen Anlegers passt.

Welche Rolle spielen ETFs in der Vermögensverwaltung?

In einer professionellen Vermögensverwaltung können ETFs wichtige Bausteine sein. Sie ermöglichen einen transparenten und häufig kosteneffizienten Zugang zu unterschiedlichen Märkten.

Die eigentliche Aufgabe der Vermögensverwaltung besteht jedoch nicht darin, möglichst viele ETFs auszuwählen. Entscheidend ist vielmehr deren sinnvolle Kombination.

Dazu gehören unter anderem:

  • eine strategische Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen,
  • eine angemessene Risikosteuerung,
  • die Auswahl geeigneter Indizes und Produkte,
  • die regelmäßige Überwachung des Portfolios,
  • ein diszipliniertes Rebalancing,
  • und die Anpassung an die persönlichen Ziele des Mandanten.

Auch ein Portfolio aus passiven Anlageinstrumenten benötigt somit aktive Entscheidungen auf der Ebene der Vermögensstruktur.

Fazit: ETFs sind Werkzeuge – keine fertige Lösung

Indexfonds haben die Geldanlage für viele Anleger einfacher, transparenter und kostengünstiger gemacht. Sie ermöglichen einen breiten Marktzugang, ohne dass jedes einzelne Wertpapier selbst ausgewählt werden muss.

Doch nicht jeder ETF ist automatisch gut diversifiziert, preiswert oder für jedes Anlageziel geeignet. Entscheidend sind der zugrunde liegende Index, die Kosten, die Konstruktion des Fonds und vor allem seine Funktion innerhalb des gesamten Vermögens.

Bei Artificium Invest verstehen wir ETFs deshalb nicht als Selbstzweck. Sie sind Werkzeuge, mit denen sich – gemeinsam mit weiteren Anlageklassen – robuste und nachvollziehbare Portfolios gestalten lassen.

Denn erfolgreiche Vermögensanlage beginnt nicht mit der Frage, welcher ETF gerade besonders beliebt ist. Sie beginnt mit einer klaren Strategie.

Wie lassen sich ETFs sinnvoll in ein Gesamtportfolio einordnen?

ETFs können ein wichtiger Baustein der Vermögensanlage sein. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Auswahl einzelner Fonds, sondern ihr Zusammenspiel mit Anlageziel, Risikobereitschaft, Anlagehorizont, Liquiditätsbedarf und dem bereits vorhandenen Vermögen.

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Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente dar. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden. Wertentwicklungen der Vergangenheit erlauben keine verlässlichen Rückschlüsse auf zukünftige Ergebnisse.

Alexander Schmidt
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Wer sein Vermögen professionell verwalten lässt, überträgt einem Vermögensverwalter weitreichende Entscheidungsbefugnisse. Der Verwalter darf innerhalb der vereinbarten Anlagerichtlinien Wertpapiere kaufen, verkaufen und das Depot an veränderte Marktbedingungen anpassen.
Daraus entsteht bei vielen Anlegern eine verständliche Frage:
Wem gehören die Wertpapiere eigentlich, wenn ein Vermögensverwalter darüber entscheiden darf?