Risikobereitschaft und Verlusttragfähigkeit – wie viel Risiko passt zu meinem Vermögen?

Diese beiden Fragen klingen ähnlich, beschreiben aber unterschiedliche Sachverhalte. Die Risikobereitschaft betrifft vor allem die persönliche und emotionale Einstellung zu Wertschwankungen. Die Verlusttragfähigkeit betrifft dagegen die objektive wirtschaftliche Situation. Ein Anleger kann bereit sein, erhebliche Schwankungen auszuhalten, obwohl er das betroffene Kapital in wenigen Jahren benötigt. Umgekehrt kann ein vermögender Anleger finanziell hohe Verluste verkraften, sich aber bereits bei kleineren Rückgängen unwohl fühlen.

Die passende Anlagestrategie ergibt sich deshalb nicht aus einem einzelnen Prozentwert und auch nicht allein aus der Höhe des Vermögens. Sie entsteht aus dem Zusammenspiel von Anlageziel, Anlagehorizont, Liquiditätsbedarf, Risikobereitschaft, Verlusttragfähigkeit, Kenntnissen und Erfahrungen sowie den übrigen Vermögenswerten und Verpflichtungen.

Risiko ist nicht nur die Schwankung eines Depots

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Risiko häufig mit fallenden Börsenkursen gleichgesetzt. Kursschwankungen sind jedoch nur eine Form des Anlagerisikos. Für die Vermögensplanung können mehrere Risiken gleichzeitig bedeutsam sein:

Marktrisiko: Aktien, Anleihen, Fonds, ETFs, Edelmetalle und andere Anlagen können im Wert fallen.

Dauerhaftes Verlustrisiko: Ein Unternehmen, Emittent oder Geschäftsmodell kann so stark beschädigt werden, dass sich ein Verlust nicht mehr erholt.

Inflationsrisiko: Bargeld und niedrig verzinste Anlagen können real an Kaufkraft verlieren.

Zinsänderungsrisiko: Steigende Marktzinsen können insbesondere länger laufende Anleihen belasten.

Bonitäts- und Emittentenrisiko: Ein Schuldner kann Zinsen oder Rückzahlungen nicht vollständig leisten.

Liquiditätsrisiko: Eine Anlage kann zum benötigten Zeitpunkt nur mit Abschlägen oder überhaupt nicht veräußert werden.

Währungsrisiko: Fremdwährungsanlagen können durch Wechselkursbewegungen an Wert verlieren.

Konzentrationsrisiko: Einzelne Unternehmen, Branchen, Länder, Immobilien oder Banken können das Gesamtvermögen übermäßig dominieren.

Planungsrisiko: Ein finanzielles Ziel kann verfehlt werden, obwohl kein spektakulärer Börsenverlust eingetreten ist.

Eine sehr schwankungsarme Anlage ist deshalb nicht automatisch risikolos. Wer sein gesamtes langfristiges Vermögen unverzinst hält, vermeidet zwar sichtbare Kursschwankungen, setzt sich aber dem Kaufkraftverlust aus. Wer ausschließlich eine einzelne Immobilie besitzt, sieht keinen täglichen Börsenkurs, trägt aber dennoch Standort-, Instandhaltungs-, Finanzierungs- und Liquiditätsrisiken.

Was bedeutet Risikobereitschaft?

Die Risikobereitschaft beschreibt, welche Wertschwankungen und Unsicherheiten ein Anleger persönlich akzeptieren möchte. Sie wird durch Erfahrungen, Persönlichkeit, Lebensphase und bisherige Erlebnisse an den Kapitalmärkten beeinflusst.

Viele Menschen schätzen ihre Risikobereitschaft in ruhigen oder steigenden Märkten zu hoch ein. Ein theoretischer Verlust von 20 Prozent klingt anders, als wenn ein Depot von 500.000 Euro vorübergehend auf 400.000 Euro fällt. Erst eine reale Krise zeigt häufig, ob der Anleger an seiner Strategie festhalten kann oder aus Angst verkauft.

Eine realistische Einschätzung sollte deshalb nicht nur fragen: „Wie viel Rendite möchten Sie erzielen?“ Sie sollte konkrete Situationen vorstellbar machen:

Wie würden Sie reagieren, wenn Ihr Depot innerhalb weniger Monate um 10 Prozent fällt?

Wie würden Sie sich bei einem vorübergehenden Rückgang von 20 oder 30 Prozent verhalten?

Würden Sie an der vereinbarten Strategie festhalten, zusätzliche Mittel investieren oder alles verkaufen wollen?

Wie lange könnten Sie negative Wertentwicklungen aushalten, ohne Ihre Entscheidung täglich infrage zu stellen?

Wie wichtig ist Ihnen eine möglichst gleichmäßige Entwicklung im Vergleich zu langfristigen Wachstumschancen?

Dabei gibt es keine moralisch richtige Antwort. Eine geringe Risikobereitschaft ist kein Fehler, und eine hohe Risikobereitschaft ist kein Qualitätsmerkmal. Problematisch wird es erst, wenn die gewählte Strategie nicht zur tatsächlichen Reaktion des Mandanten passt.

Was bedeutet Verlusttragfähigkeit?

Die Verlusttragfähigkeit beschreibt, welche Verluste ein Anleger wirtschaftlich verkraften kann, ohne seine Lebensführung, geplante Ausgaben oder vertraglichen Verpflichtungen zu gefährden. Sie ist damit keine Gefühlsfrage, sondern eine finanzielle Bestandsaufnahme.

Zur Beurteilung gehören unter anderem:

Höhe und Stabilität der laufenden Einnahmen,

regelmäßige Lebenshaltungs- und Finanzierungskosten,

ausreichende Liquiditätsreserven,

Zeitpunkt und Höhe geplanter Ausgaben,

bestehende Kredite und sonstige Verpflichtungen,

Renten-, Pensions- und Versicherungsansprüche,

Immobilien, Unternehmensbeteiligungen und weitere Vermögenswerte,

geplante Entnahmen, Schenkungen oder Nachfolgeregelungen,

sowie Personen, die wirtschaftlich vom Vermögen abhängig sind.

Ein Vermögen kann auf dem Papier groß sein und dennoch nur eine begrenzte Verlusttragfähigkeit besitzen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn ein erheblicher Teil kurzfristig für Steuern, einen Immobilienkauf, die Altersversorgung oder regelmäßige Auszahlungen benötigt wird.

Umgekehrt kann ein Anleger mit langfristig gesicherten Einkünften, hoher Liquiditätsreserve und einem sehr langen Planungshorizont objektiv größere Schwankungen tragen. Das bedeutet allerdings noch nicht, dass er sie emotional akzeptiert.

Risikobereitschaft und Verlusttragfähigkeit im Vergleich

FrageRisikobereitschaftVerlusttragfähigkeit
KernfrageWelche Schwankungen möchte ich emotional aushalten?Welche Verluste kann meine finanzielle Situation objektiv verkraften?
Typische EinflussfaktorenPersönlichkeit, Erfahrungen, Reaktion auf Krisen, SicherheitsbedürfnisEinnahmen, Verpflichtungen, Liquidität, Anlagehorizont und Gesamtvermögen
BeispielEin Anleger bleibt auch bei deutlichen Kursrückgängen ruhig.Das Kapital wird in zwei Jahren benötigt und darf deshalb nicht erheblich schwanken.
Grenze für die StrategieEine geringe Bereitschaft begrenzt die vertretbare Schwankung.Eine geringe Tragfähigkeit begrenzt das Risiko unabhängig von persönlicher Risikofreude.

Für die Strategiewahl ist grundsätzlich der begrenzendere Faktor maßgeblich. Eine hohe Risikobereitschaft kann eine geringe finanzielle Verlusttragfähigkeit nicht ausgleichen. Ebenso ist eine wirtschaftlich hohe Verlusttragfähigkeit kein Grund, einen Anleger gegen seine persönliche Überzeugung in eine stark schwankende Strategie einzuordnen.

Zwei Anleger mit demselben Vermögen benötigen nicht dieselbe Strategie

Beispiel 1: Hohes Vermögen, geringe Risikobereitschaft

Eine Anlegerin verfügt über 500.000 Euro frei investierbares Vermögen. Sie erhält eine gesicherte Rente, besitzt eine schuldenfreie Immobilie und plant keine größeren Ausgaben. Finanziell könnte sie zwischenzeitliche Verluste grundsätzlich verkraften. Bereits ein Rückgang von 10 Prozent würde sie jedoch erheblich belasten und vermutlich zu einem vorzeitigen Verkauf veranlassen.

Ihre objektive Verlusttragfähigkeit ist vergleichsweise hoch, ihre Risikobereitschaft aber niedrig. Eine stark aktienorientierte Strategie wäre möglicherweise ungeeignet, obwohl der Anlagehorizont und die Vermögenshöhe dafür sprechen könnten.

Beispiel 2: Hohe Risikobereitschaft, geringe Verlusttragfähigkeit

Ein anderer Anleger verfügt über 150.000 Euro und bezeichnet sich als sehr risikofreudig. Von diesem Betrag werden jedoch in drei Jahren 100.000 Euro für den Erwerb einer Immobilie benötigt. Die verbleibende Reserve ist begrenzt.

Der Anleger mag psychologisch bereit sein, erhebliche Schwankungen auszuhalten. Wirtschaftlich kann er einen starken Verlust auf dem für den Immobilienkauf vorgesehenen Betrag jedoch nicht tragen. Dieser Vermögensteil sollte deshalb nicht wie langfristig frei verfügbares Kapital behandelt werden.

Der Anlagehorizont ist ein entscheidender Risikofaktor

Je länger Kapital investiert bleiben kann, desto mehr Zeit besteht grundsätzlich, zwischenzeitliche Wertschwankungen auszusitzen. Ein langer Anlagehorizont beseitigt Risiken nicht, erweitert aber häufig den Handlungsspielraum.

Kapital, das in zwölf Monaten benötigt wird, erfüllt eine andere Aufgabe als Vermögen, das über 15 oder 20 Jahre erhalten und entwickelt werden soll. Eine einheitliche Strategie für beide Beträge kann dazu führen, dass langfristiges Vermögen zu vorsichtig oder kurzfristig benötigtes Kapital zu riskant angelegt wird.

Sinnvoll kann daher eine funktionale Aufteilung sein:

kurzfristige Liquidität für laufende Ausgaben und bekannte Verpflichtungen,

mittelfristig benötigtes Kapital mit begrenzter Schwankung und planbaren Fälligkeiten,

langfristiges Vermögen für Wachstum, Kaufkrafterhalt und spätere Generationen.

Diese Aufteilung ist kein starres Standardmodell. Sie muss zu den konkreten Zahlungsströmen und zur Gesamtvermögenssituation passen.

Warum Verluste mathematisch asymmetrisch wirken

Ein Verlust und ein gleich hoher prozentualer Gewinn heben sich nicht gegenseitig auf. Nach einem Rückgang wird der anschließende Gewinn auf einer niedrigeren Kapitalbasis berechnet.

ArtificiumInvest – Blogbeiträge – Arbeitsfassung | Seite

VerlustVerbleibendes Vermögen bei 100.000 EuroErforderlicher Gewinn bis zum Ausgangswert
10 %90.000 Euro11,1 %
20 %80.000 Euro25,0 %
30 %70.000 Euro42,9 %
40 %60.000 Euro66,7 %
50 %50.000 Euro100,0 %

Die Tabelle ist keine Prognose. Sie zeigt lediglich, warum große Verluste überproportional schwer aufzuholen sind. Daraus folgt nicht, dass jedes Portfolio möglichst schwankungsfrei sein muss. Es folgt aber, dass die Höhe möglicher Verluste zur finanziellen Aufgabe des Vermögens passen sollte.

Der Renditewunsch allein bestimmt nicht das vertretbare Risiko

Viele Anleger nennen eine gewünschte Rendite, ohne zu prüfen, welche Risiken dafür übernommen werden müssten. Eine hohe Zielrendite kann nicht durch einen Vertrag oder eine geschickte Produktbezeichnung garantiert werden.

Neben Risikobereitschaft und Verlusttragfähigkeit kann daher auch der Renditebedarf betrachtet werden: Welche langfristige Wertentwicklung ist notwendig, um ein realistisches Ziel zu erreichen? Ist dieses Ziel bei vertretbarem Risiko erreichbar, oder müssen Einzahlungen, Entnahmen, Zeithorizont oder Zielbetrag angepasst werden?

Eine seriöse Planung darf kein Risiko empfehlen, das der Mandant nicht tragen kann, nur weil sein ursprüngliches Renditeziel sonst unerreichbar erscheint. Gegebenenfalls ist es verantwortungsvoller, das Ziel zu verändern als das Risiko unverhältnismäßig zu erhöhen.

Kenntnisse und Erfahrungen bleiben wichtig

Auch ein finanziell tragfähiges Risiko muss verstanden werden. Der Mandant sollte nachvollziehen können, warum bestimmte Anlageklassen eingesetzt werden, welche Schwankungen auftreten können und welche Rolle einzelne Produkte im Gesamtportfolio übernehmen.

Kenntnisse und Erfahrungen ersetzen weder Risikobereitschaft noch Verlusttragfähigkeit. Ein sehr erfahrener Anleger kann ebenfalls nur begrenzt verlusttragfähig sein. Umgekehrt kann ein vermögender Mandant wirtschaftlich hohe Risiken tragen, ohne komplexe Produkte ausreichend zu verstehen.

Die vier Aspekte erfüllen daher unterschiedliche Aufgaben:

Kenntnisse und Erfahrungen: Kann der Anleger die Funktionsweise und Risiken verstehen?

Risikobereitschaft: Möchte er die damit verbundenen Schwankungen akzeptieren?

Verlusttragfähigkeit: Kann er die möglichen Verluste wirtschaftlich verkraften?

Anlageziel und Anlagehorizont: Passt die Strategie zur Aufgabe und zum Zeitpunkt der Vermögensverwendung?

Das Gesamtvermögen ist wichtiger als ein einzelnes Depot

Die Risikoeinschätzung darf sich nicht ausschließlich auf das neu zu verwaltende Depot beschränken. Ein Unternehmer kann außerhalb des Depots bereits ein erhebliches konjunkturelles Risiko tragen. Ein Immobilienbesitzer kann stark auf eine Region, einen Zinsmarkt und wenige Mieter konzentriert sein. Ein ehemaliger Unternehmer kann nach einem Verkauf dagegen über hohe Liquidität verfügen, aber regelmäßige Entnahmen zur Finanzierung des Lebensunterhalts benötigen.

Auch mehrere Depots müssen zusammen betrachtet werden. Ein einzelnes Depot kann defensiv erscheinen, während das Gesamtvermögen durch Aktien, Unternehmensbeteiligungen oder Immobilien insgesamt sehr chancenorientiert aufgestellt ist.

Eine verantwortungsvolle Vermögensverwaltung fragt deshalb nicht nur: „Wie viel Aktien enthält dieses Depot?“ Sie fragt: „Von welchen wirtschaftlichen Entwicklungen hängt das gesamte Vermögen ab?“

Regelmäßige Entnahmen verändern die Verlusttragfähigkeit

Wer aus seinem Vermögen regelmäßige Auszahlungen finanziert, trägt ein zusätzliches Risiko. Fallen die Märkte zu Beginn der Entnahmephase stark, müssen möglicherweise mehr Anteile verkauft werden, um denselben Eurobetrag auszuzahlen. Dadurch steht weniger Kapital für eine spätere Erholung zur Verfügung.

Für Entnahmedepots sind deshalb insbesondere wichtig:

eine angemessene Liquiditätsreserve,

ein realistischer und überprüfbarer Entnahmeplan,

eine breite Diversifikation,

die Abstimmung von Fälligkeiten und Zahlungsbedarf,

sowie die Möglichkeit, Entnahmen in außergewöhnlichen Marktphasen anzupassen.

Ein Depot für regelmäßige Auszahlungen kann daher eine andere Struktur benötigen als ein gleich großes Depot ohne laufenden Kapitalbedarf.

Warum ein Fragebogen allein nicht genügt

Standardisierte Risikofragebögen sind hilfreich, um Antworten strukturiert zu erfassen. Sie können ein persönliches Gespräch und eine finanzielle Analyse jedoch nicht vollständig ersetzen.

Antworten hängen häufig davon ab, wie eine Frage formuliert wird. Die Aussage „Ich akzeptiere mittlere Risiken“ bleibt unklar, solange nicht erläutert wird, welche konkreten Verluste, Zeiträume und Eurobeträge damit verbunden sein können.

Ein belastbarer Prozess sollte daher:

abstrakte Prozentangaben in nachvollziehbare Eurobeträge übersetzen,

unterschiedliche Krisenszenarien besprechen,

geplante Ausgaben und Entnahmen einbeziehen,

Widersprüche zwischen Renditewunsch und Verlustgrenze offenlegen,

und die Ergebnisse nachvollziehbar dokumentieren.

Risikobereitschaft kann sich verändern

Die persönliche und finanzielle Situation bleibt nicht dauerhaft gleich. Ruhestand, Krankheit, Immobilienkauf, Unternehmensverkauf, Erbschaft, Scheidung, Schenkung oder neue familiäre Verpflichtungen können die Verlusttragfähigkeit verändern.

Auch die Risikobereitschaft kann sich wandeln. Ein Anleger, der nach einer langjährigen Börsenhausse hohe Schwankungen akzeptiert, kann nach einer schweren Krise vorsichtiger werden. Umgekehrt kann mit zunehmender Erfahrung und besserer Liquiditätsplanung die Bereitschaft wachsen, langfristige Schwankungen auszuhalten.

Eine einmalige Einstufung zu Beginn der Zusammenarbeit ist deshalb nicht für alle Zukunft unveränderlich. Wesentliche Änderungen sollten Anlass sein, die Strategie erneut zu überprüfen.

Wie passen Defensiv, Ausgewogen und Opportunitäten dazu?

Die Strategien Defensiv, Ausgewogen und Opportunitäten bilden unterschiedliche Risikorahmen. Sie ersetzen nicht die persönliche Geeignetheitsprüfung.

Defensiv

Defensiv stellt die Begrenzung von Wertschwankungen und die stabilisierende Funktion von Anleihen, Geldmarkt und Liquidität stärker in den Vordergrund. Auch diese Strategie kann Verluste erleiden. Sie kann grundsätzlich zu Mandanten passen, deren Risikobereitschaft oder Verlusttragfähigkeit einen höheren Aktienanteil begrenzt.

Ausgewogen

Ausgewogen verbindet wachstumsorientierte und stabilisierende Bausteine. Sie kann zu Anlegern passen, die langfristige Kapitalmarktchancen nutzen möchten und einen deutlichen, aber nicht dominierenden Aktienanteil finanziell und emotional tragen können.

Opportunitäten

Opportunitäten besitzt den höchsten Aktienanteil und damit die größten möglichen Wertschwankungen der drei Modelle. Ein solcher Rahmen setzt regelmäßig einen langfristigen Anlagehorizont, ausreichende Liquiditätsreserven sowie eine entsprechend hohe Risikobereitschaft und Verlusttragfähigkeit voraus.

Die Strategie mit der höchsten Renditechance ist nicht automatisch die geeignetste. Geeignet ist die Strategie, deren Risiken zur Aufgabe des Vermögens passen und die der Mandant auch in schwierigen Marktphasen durchhalten kann.

Typische Fehler bei der Risikoeinschätzung

Nur auf die bisherige Rendite schauen

Vergangene Wertentwicklungen zeigen nicht, welche Strategie künftig am besten abschneiden wird. Wer nach einer starken Börsenphase allein aufgrund der zuletzt höchsten Rendite in eine chancenorientiertere Strategie wechselt, erhöht möglicherweise das Risiko zum ungünstigen Zeitpunkt.

Risiko nur in Prozent ausdrücken

Ein Verlust von 20 Prozent wirkt abstrakt. Bei einem Depot von 500.000 Euro entspricht er 100.000 Euro. Die Übersetzung in konkrete Beträge hilft, die tatsächliche emotionale und wirtschaftliche Wirkung realistischer einzuschätzen.

Immobilien und Unternehmen außerhalb des Depots ignorieren

Ein Depot kann breit gestreut sein, während das Gesamtvermögen stark von einem Unternehmen, einer Immobilie oder einer Region abhängt. Die Portfoliostruktur sollte bestehende Konzentrationen berücksichtigen, statt sie unbemerkt zu verstärken.

Kurzfristiges Kapital langfristig anlegen

Eine hohe Risikobereitschaft macht kurzfristig benötigtes Geld nicht langfristig verfügbar. Bekannte Ausgaben und Sicherheitsreserven sollten von langfristigem Anlagekapital getrennt betrachtet werden.

In der Krise die Risikoklasse wechseln

Wer erst nach erheblichen Verlusten feststellt, dass die Strategie zu riskant war, verkauft möglicherweise zu ungünstigen Kursen. Die Risikoeinschätzung sollte deshalb vor der Krise realistisch erfolgen und anschließend bei wesentlichen persönlichen Veränderungen überprüft werden.

Zehn Fragen zur persönlichen Einordnung

Vor der Wahl einer Strategie sollten mindestens folgende Fragen beantwortet werden:

1. Welche Aufgabe soll das Vermögen erfüllen?

2. Wann werden welche Beträge voraussichtlich benötigt?

3. Welche regelmäßigen Einzahlungen oder Entnahmen sind geplant?

4. Wie hoch ist die Liquiditätsreserve außerhalb des Depots?

5. Welche Kredite, Verpflichtungen und familiären Abhängigkeiten bestehen?

6. Welche Risiken liegen bereits in Immobilien, Unternehmen oder anderen Depots?

7. Wie würde sich ein Rückgang von 10, 20 oder 30 Prozent in Euro auswirken?

8. Wie habe ich in früheren Börsenkrisen tatsächlich reagiert?

9. Welche Wertschwankungen kann ich emotional aushalten, ohne die Strategie abzubrechen?

10. Welche Verluste kann ich finanziell tragen, ohne meine Lebensplanung zu gefährden?

Unser Verständnis bei ArtificiumInvest

Bei ArtificiumInvest verstehen wir Vermögensverwaltung als Handwerk. Ein guter Bauplan richtet sich nicht danach, welches Material zuletzt am stärksten im Preis gestiegen ist. Er richtet sich nach dem Zweck des Gebäudes, der Belastung und den Anforderungen seines Eigentümers.

Genauso beginnt eine Vermögensverwaltung nicht mit der Frage, welches Produkt aktuell besonders attraktiv erscheint. Am Anfang stehen die Aufgabe des Vermögens, die persönliche Lebenssituation und der Risikorahmen.

Unser Vorgehen folgt daher einer klaren Reihenfolge:

Ziele und Anlagehorizont bestimmen.

Kurz-, mittel- und langfristigen Liquiditätsbedarf erfassen.

Das Gesamtvermögen einschließlich Immobilien, Unternehmen und weiterer Depots betrachten.

Risikobereitschaft und finanzielle Verlusttragfähigkeit getrennt beurteilen.

Einen passenden Strategierahmen auswählen.

Das Portfolio breit diversifizieren und laufend überwachen.

Die Eignung bei wesentlichen Veränderungen erneut überprüfen.

Die regulierten Wertpapierdienstleistungen werden – abhängig von der vereinbarten Leistung – unter der Verantwortung der jeweils vertraglich benannten und beaufsichtigten Partner erbracht. Die konkreten Zuständigkeiten, Anlagerichtlinien, Risiken und Kosten ergeben sich aus den jeweiligen Vertragsunterlagen.

Fazit: So viel Risiko wie tragbar – nicht so viel wie theoretisch möglich

Die Frage „Wie viel Risiko passt zu meinem Vermögen?“ lässt sich nicht allein mit Alter, Vermögenshöhe oder gewünschter Rendite beantworten.

Entscheidend sind insbesondere:

die persönliche Risikobereitschaft,

die objektive finanzielle Verlusttragfähigkeit,

der tatsächliche Anlagehorizont,

der kurzfristige und regelmäßige Liquiditätsbedarf,

das Gesamtvermögen einschließlich bestehender Konzentrationen,

sowie Kenntnisse, Erfahrungen und die Fähigkeit, eine Strategie in Krisen durchzuhalten.

Die passende Strategie orientiert sich am begrenzenderen Faktor. Ein Anleger sollte nicht mehr Risiko übernehmen, als er finanziell tragen und emotional aushalten kann. Gleichzeitig sollte vermeintliche Sicherheit nicht dazu führen, langfristige Kaufkraft- und Zielrisiken zu übersehen.

Eine verantwortungsvolle Vermögensverwaltung verspricht deshalb nicht die höchste denkbare Rendite. Sie schafft einen nachvollziehbaren Risikorahmen, der zur persönlichen Aufgabe des Vermögens passt.

ArtificiumInvest – Ihr Vermögen ist unser Handwerk.

Wie viel Risiko passt zu Ihrer Vermögenssituation?

In einem persönlichen Erstgespräch betrachten wir Ihre Ziele, den Anlagehorizont, geplante Auszahlungen, bestehende Vermögenswerte und Ihre Liquiditätsreserve. Auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, welcher Risikorahmen finanziell tragbar und persönlich durchhaltbar ist.

Unverbindliches Erstgespräch vereinbaren

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt weder eine individuelle Anlageberatung noch eine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die genannten Beispiele und Verlustszenarien sind vereinfachte Darstellungen und keine Prognosen. Auch breit diversifizierte und defensiv ausgerichtete Anlagen können Verluste erleiden. Die konkrete Eignung einer Strategie ergibt sich ausschließlich aus der persönlichen Geeignetheitsprüfung, den vereinbarten Anlagerichtlinien und den jeweiligen Vertragsunterlagen.

Alexander Schmidt
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Eine pauschale Antwort ist nicht möglich. Die Kosten hängen unter anderem von der Höhe des verwalteten Vermögens, dem Betreuungsumfang, der gewählten Anlagestrategie, den eingesetzten Finanzinstrumenten und dem Gebührenmodell des Vermögensverwalters ab.

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Wer sein Vermögen professionell verwalten lässt, überträgt einem Vermögensverwalter weitreichende Entscheidungsbefugnisse. Der Verwalter darf innerhalb der vereinbarten Anlagerichtlinien Wertpapiere kaufen, verkaufen und das Depot an veränderte Marktbedingungen anpassen.
Daraus entsteht bei vielen Anlegern eine verständliche Frage:
Wem gehören die Wertpapiere eigentlich, wenn ein Vermögensverwalter darüber entscheiden darf?