Wie wird ein Vermögen in Krisenzeiten diversifiziert?

Wie kann ich mein Vermögen jetzt sicher aufstellen?

Die bessere Frage lautet jedoch:

Wie muss ein Vermögen bereits vor einer Krise strukturiert sein, damit nicht eine einzige Entwicklung über seinen Erfolg oder Misserfolg entscheidet?

Genau darin liegt der Sinn der Diversifikation. Das Vermögen wird auf unterschiedliche Anlageklassen, Regionen, Emittenten, Laufzeiten und Währungen verteilt. Die einzelnen Bestandteile sollen nicht alle von denselben wirtschaftlichen Einflussfaktoren abhängig sein.

Diversifikation kann Verluste nicht ausschließen. Sie kann aber verhindern, dass eine einzelne Fehlentwicklung das gesamte Vermögen unverhältnismäßig stark trifft.

Diversifikation ist mehr als eine große Anzahl von Wertpapieren

Ein Depot mit 30 verschiedenen Positionen ist nicht automatisch gut diversifiziert.

Besitzt ein Anleger beispielsweise:

  • zehn deutsche Automobilaktien,
  • fünf europäische Automobilzulieferer,
  • mehrere Fonds mit Schwerpunkt Industrie,
  • und Unternehmensanleihen derselben Branchen,

enthält das Depot zwar viele einzelne Wertpapiere. Wirtschaftlich hängt es jedoch stark von wenigen gemeinsamen Faktoren ab:

  • der europäischen Konjunktur,
  • der Automobilindustrie,
  • Energiepreisen,
  • Lieferketten,
  • Exportmärkten,
  • und politischen Entscheidungen in Europa.

Eine echte Diversifikation betrachtet deshalb nicht allein die Anzahl der Positionen. Entscheidend ist, welchen Risiken diese Positionen tatsächlich ausgesetzt sind.

Ein robustes Vermögen sollte nicht nur über verschiedene Wertpapiere, sondern auf mehreren Ebenen gestreut werden:

1. über unterschiedliche Anlageklassen,

2. innerhalb der einzelnen Anlageklassen,

3. über verschiedene Länder und Wirtschaftsregionen,

4. über mehrere Währungen,

5. über unterschiedliche Schuldner und Emittenten,

6. über verschiedene Laufzeiten,

7. und gegebenenfalls über mehrere Banken und Verwahrstellen.

Nicht jede Krise ist gleich

Eine sinnvolle Vermögensstruktur darf nicht nur auf das letzte Krisenszenario vorbereitet sein.

Wer nach der Finanzkrise ausschließlich auf eine erneute Bankenkrise setzt, kann von einer Inflationskrise überrascht werden. Wer nach einem starken Inflationsanstieg nur noch Sachwerte kauft, kann bei einer Rezession oder einem deutlichen Zinsanstieg unter Druck geraten.

Zu den möglichen Krisenszenarien gehören beispielsweise:

Eine schwere Rezession

Unternehmensgewinne können sinken, Aktienkurse fallen und die Ausfallrisiken schwächerer Schuldner steigen. Hochwertige Staatsanleihen und Liquidität können in einem solchen Umfeld stabilisierend wirken. Das ist jedoch keine Garantie, da die Wirkung auch von Inflation und Zinsentwicklung abhängt.

Eine Inflationskrise

Die Kaufkraft von Bargeld und niedrig verzinsten Forderungen nimmt ab. Gleichzeitig können steigende Zinsen die Kurse langfristiger Anleihen belasten. Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle oder andere Sachwerte können einen gewissen Ausgleich bieten, reagieren aber nicht in jeder Inflationsphase gleich.

Ein plötzlicher Zinsanstieg

Lange laufende Anleihen können deutlich an Wert verlieren. Auch hoch bewertete Aktien und fremdfinanzierte Immobilien können unter Druck geraten.

Eine Banken- oder Staatsschuldenkrise

Die Bonität einzelner Banken, Staaten und Emittenten gewinnt an Bedeutung. Eine Streuung über verschiedene Schuldner, Institute, Länder und Anlageformen kann Konzentrationsrisiken reduzieren.

Eine geopolitische Krise

Bestimmte Regionen, Branchen, Rohstoffe, Handelswege und Währungen können besonders betroffen sein. Gleichzeitig können Kapitalströme in Vermögenswerte umgelenkt werden, die von Marktteilnehmern als vergleichsweise sicher angesehen werden.

Eine Liquiditätskrise

Auch grundsätzlich werthaltige Anlagen können zeitweise nur mit hohen Abschlägen verkäuflich sein. Wer kurzfristig Geld benötigt, sollte deshalb nicht sein gesamtes Vermögen in schwer veräußerbaren Anlagen binden.

Kein einzelner Vermögenswert schützt zuverlässig gegen alle diese Szenarien. Ein krisenrobustes Portfolio versucht daher nicht, eine bestimmte Krise exakt vorherzusagen. Es wird so strukturiert, dass unterschiedliche Entwicklungen nicht gleichzeitig das gesamte Vermögen treffen sollen.

Die erste Ebene: eine ausreichende Liquiditätsreserve

Diversifikation beginnt nicht an der Börse, sondern mit der persönlichen Finanzplanung.

Geld, das kurzfristig für Lebenshaltung, Steuern, Instandhaltung, größere Anschaffungen oder unvorhersehbare Ausgaben benötigt wird, sollte nicht vollständig in schwankungsanfälligen Wertpapieren investiert sein.

Die Höhe der notwendigen Liquiditätsreserve hängt von der persönlichen Situation ab. Wichtige Faktoren sind:

  • regelmäßige Einnahmen,
  • laufende Ausgaben,
  • berufliche Sicherheit,
  • Immobilienbesitz,
  • gesundheitliche und familiäre Verpflichtungen,
  • geplante Anschaffungen,
  • und regelmäßige Entnahmen aus dem Vermögen.

Eine ausreichende Reserve erfüllt in einer Krise zwei Aufgaben.

Erstens stellt sie die Zahlungsfähigkeit sicher. Zweitens verhindert sie, dass Aktien, Anleihen oder andere Anlagen ausgerechnet nach erheblichen Kursverlusten verkauft werden müssen.

Liquidität ist deshalb nicht nur eine Anlageklasse mit begrenzter Rendite. Sie ist zugleich ein organisatorischer Sicherheitspuffer.

Zu viel dauerhaft unverzinsliche Liquidität kann allerdings durch Inflation an Kaufkraft verlieren. Die Reserve sollte daher bewusst bemessen und nicht mit dem langfristig investierbaren Vermögen verwechselt werden.

Die zweite Ebene: Aktien weltweit diversifizieren

Aktien verkörpern Beteiligungen an Unternehmen. Langfristig können sie am Wachstum, an Gewinnen und an Produktivitätsfortschritten der Wirtschaft teilhaben.

In Krisen können Aktienkurse jedoch stark schwanken. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob Aktien im Vermögen enthalten sein sollen, sondern wie der Aktienanteil strukturiert ist.

Eine breite Aktienstreuung berücksichtigt unter anderem:

  • verschiedene Länder,
  • unterschiedliche Wirtschaftsregionen,
  • zahlreiche Branchen,
  • große, mittlere und gegebenenfalls kleinere Unternehmen,
  • verschiedene Geschäftsmodelle,
  • und unterschiedliche Währungsräume.

Ein breit aufgestellter internationaler Aktienfonds oder ETF kann bereits mehrere Hundert oder Tausend Unternehmen enthalten. Auch dann sollte geprüft werden, ob einzelne Länder, Branchen oder sehr große Unternehmen den Index ungewöhnlich stark dominieren.

Warum nur deutsche Aktien keine ausreichende Streuung darstellen

Deutschland ist eine bedeutende Volkswirtschaft. Der deutsche Aktienmarkt bildet jedoch nur einen Teil der weltweiten Unternehmenslandschaft ab.

Wer ausschließlich in Deutschland investiert, konzentriert sein Vermögen unter anderem auf:

  • eine einzelne Rechts- und Währungsregion,
  • bestimmte exportorientierte Branchen,
  • die europäische Konjunktur,
  • und die politischen Rahmenbedingungen der Europäischen Union.

Eine globale Streuung kann solche Abhängigkeiten reduzieren. Sie beseitigt das allgemeine Aktienmarktrisiko nicht, verteilt es aber auf eine größere Zahl von Unternehmen, Branchen und Wirtschaftsräumen.

Warum Themenfonds keine vollständige Diversifikation ersetzen

Technologie, künstliche Intelligenz, Rüstung, erneuerbare Energien oder Gesundheit können langfristig interessante Entwicklungen darstellen. Themenfonds konzentrieren sich jedoch bewusst auf einen begrenzten wirtschaftlichen Bereich.

Sie können daher eine Ergänzung sein, sollten aber nicht allein deshalb als breit diversifiziert angesehen werden, weil sie zahlreiche Einzelunternehmen enthalten.

Mehrere Unternehmen derselben Zukunftsbranche können gleichzeitig unter:

  • veränderten Erwartungen,
  • neuen Wettbewerbern,
  • Regulierung,
  • Finanzierungsproblemen,
  • oder überhöhten Bewertungen

leiden.

Die dritte Ebene: Anleihen nach Bonität und Laufzeit streuen

Anleihen können innerhalb eines Portfolios unterschiedliche Aufgaben erfüllen:

  • laufende Zinserträge,
  • planbare Rückzahlungen,
  • Begrenzung der Gesamtschwankungen,
  • Bereitstellung später benötigter Liquidität,
  • und einen möglichen Ausgleich zu Aktienrisiken.

Anleihe ist jedoch nicht gleich Anleihe.

Ein Portfolio kann beispielsweise unterscheiden zwischen:

  • Staatsanleihen,
  • Unternehmensanleihen,
  • Pfandbriefen,
  • supranationalen Emittenten,
  • kurzen und langen Laufzeiten,
  • unterschiedlichen Bonitätsstufen,
  • sowie Euro- und Fremdwährungsanleihen.

Bonitätsrisiko

Je schwächer ein Schuldner wirtschaftlich aufgestellt ist, desto größer ist grundsätzlich das Risiko, dass Zins- oder Rückzahlungen nicht vollständig geleistet werden.

Hochverzinsliche Unternehmensanleihen können in einer schweren Rezession teilweise ähnlich wie Aktien reagieren. Sie sind deshalb nicht automatisch ein stabiler Gegenpol zum Aktienanteil.

Zinsänderungsrisiko

Steigen die Marktzinsen, fallen regelmäßig die Kurse bereits ausgegebener Anleihen mit niedrigeren Zinsen. Je länger die Restlaufzeit und je höher die Zinssensitivität, desto stärker kann dieser Effekt ausfallen.

Eine Streuung der Laufzeiten kann verhindern, dass der gesamte Anleihebestand in gleicher Weise auf eine Zinsänderung reagiert.

Währungsrisiko

Eine Anleihe kann in ihrer Heimatwährung stabil sein und für einen Anleger in Euro dennoch an Wert verlieren, wenn sich der Wechselkurs ungünstig entwickelt.

Fremdwährungsanleihen sollten deshalb nicht nur nach ihrem Nominalzins beurteilt werden.

Die vierte Ebene: Gold und Edelmetalle als mögliche Beimischung

Gold wird in Krisenzeiten häufig als sicherer Hafen bezeichnet. Diese Einordnung ist nur teilweise richtig.

Gold besitzt einige besondere Eigenschaften:

  • Es ist keine Forderung gegen ein Unternehmen oder einen Staat.
  • Es kann nicht durch die Insolvenz eines Emittenten wertlos werden.
  • Es wird weltweit gehandelt.
  • Es kann in bestimmten Inflations-, Währungs- oder Vertrauenskrisen an Bedeutung gewinnen.

Gold hat aber auch klare Nachteile:

  • Es zahlt keine Zinsen.
  • Es schüttet keine Dividenden aus.
  • Sein Preis kann erheblich schwanken.
  • Es kann über viele Jahre eine schwache Wertentwicklung zeigen.
  • Seine Entwicklung lässt sich kurzfristig kaum verlässlich prognostizieren.

Gold kann daher eine Beimischung sein. Es sollte nicht mit einer vollständigen Vermögensstrategie verwechselt werden.

Was gilt für Silber?

Silber ist gleichzeitig Edelmetall und industrieller Rohstoff. Seine Preisentwicklung kann deshalb stärker von Konjunktur, industrieller Nachfrage und technologischen Entwicklungen beeinflusst werden.

Silber kann innerhalb eines breit aufgestellten Vermögens eine ergänzende Funktion übernehmen. Es schwankt jedoch häufig stärker als Gold und eignet sich nicht als kurzfristig wertstabile Liquiditätsreserve.

Die fünfte Ebene: Währungen als Risiko und Diversifikator

Wer international investiert, besitzt häufig indirekt Vermögenswerte in verschiedenen Währungsräumen.

Ein globaler Aktienfonds enthält beispielsweise Unternehmen, deren Umsätze, Kosten und Börsennotierungen in US-Dollar, Schweizer Franken, japanischen Yen, britischen Pfund oder anderen Währungen liegen.

Fremdwährungen können das Vermögen auf zwei Arten beeinflussen:

1. Sie können zusätzliche Schwankungen verursachen.

2. Sie können die Abhängigkeit vom Euro reduzieren.

Eine vollständige Absicherung sämtlicher Währungsrisiken ist deshalb nicht automatisch sinnvoll. Sie kann Kosten verursachen und zugleich einen möglichen Diversifikationseffekt beseitigen.

Die passende Lösung hängt von der jeweiligen Anlageklasse ab.

Bei kurzfristig benötigten oder sicherheitsorientierten Vermögensteilen kann eine weitgehende Übereinstimmung mit der Ausgabenwährung sinnvoll sein. Bei langfristigen internationalen Unternehmensbeteiligungen kann eine gewisse Währungsstreuung dagegen Teil der Gesamtdiversifikation sein.

Entscheidend ist, Währungsrisiken bewusst zu steuern und nicht nur zufällig entstehen zu lassen.

Die sechste Ebene: reale Vermögenswerte

Zum Gesamtvermögen können neben Wertpapieren auch reale Vermögenswerte gehören:

  • selbst genutzte oder vermietete Immobilien,
  • Unternehmensbeteiligungen,
  • land- und forstwirtschaftliche Flächen,
  • Edelmetalle,
  • Infrastrukturinvestitionen,
  • oder andere Sachwerte.

Solche Anlagen können sich anders entwickeln als börsengehandelte Wertpapiere. Sie bringen jedoch eigene Risiken mit sich.

Immobilien können beispielsweise von:

  • Lage,
  • Mietern,
  • Instandhaltung,
  • Regulierung,
  • Finanzierung,
  • regionaler Wirtschaft,
  • und Zinsentwicklung

abhängen.

Ein Anleger, dessen Vermögen bereits überwiegend aus einer selbst genutzten Immobilie und einem Unternehmen besteht, ist möglicherweise stärker in Sachwerten konzentriert, als sein Wertpapierdepot erkennen lässt.

Eine professionelle Vermögensstruktur betrachtet deshalb nicht nur das Depot. Sie berücksichtigt das gesamte wirtschaftliche Vermögen.

Die siebte Ebene: verschiedene Emittenten und Produktstrukturen

Zwei Anlagen können wirtschaftlich ähnlich wirken, rechtlich aber sehr unterschiedlich konstruiert sein.

Ein physisch hinterlegter Fonds, eine Unternehmensanleihe und ein Zertifikat auf denselben Markt besitzen nicht dieselbe Risikostruktur.

Bei der Auswahl sollten deshalb unter anderem geprüft werden:

  • Wer ist der Emittent?
  • Handelt es sich um ein Fonds-Sondervermögen oder um eine Forderung?
  • Besteht ein Gegenparteirisiko?
  • Wie liquide ist das Produkt?
  • Welche Sicherheiten gibt es?
  • Welche Kosten entstehen?
  • Wie transparent ist die Konstruktion?
  • Was geschieht bei einer Insolvenz des Anbieters?

Wer sein Vermögen nur über Produkte eines einzigen Emittenten oder einer einzigen Bank strukturiert, kann trotz unterschiedlicher Produktnamen ein erhebliches gemeinsames Risiko besitzen.

Diversifikation betrifft daher nicht nur Märkte, sondern auch die rechtliche und technische Konstruktion der Anlagen.

Die achte Ebene: mehrere Banken und Verwahrstellen

Bei größeren Vermögen kann auch die organisatorische Streuung eine Rolle spielen.

Dazu gehört die Frage, ob:

  • sämtliche Liquidität bei einem Institut liegt,
  • alle Depots über dieselbe Bank geführt werden,
  • mehrere Anlagen vom selben Emittenten abhängen,
  • oder ein Anleger bei einem technischen Ausfall weiterhin handlungsfähig bleibt.

Mehrere Banken führen nicht automatisch zu einer besseren Anlagestrategie. Sie können die Übersicht sogar erschweren und zusätzliche Kosten verursachen.

Bei größeren und komplexeren Vermögen kann eine bewusste Verteilung auf verschiedene Institute dennoch operationelle und institutsspezifische Risiken reduzieren. Voraussetzung ist ein konsolidierter Überblick über das Gesamtvermögen.

Wie viel gehört in welche Anlageklasse?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort.

Eine passende Vermögensaufteilung hängt insbesondere ab von:

  • der Höhe des Vermögens,
  • dem langfristigen Anlageziel,
  • dem Anlagehorizont,
  • der finanziellen Verlusttragfähigkeit,
  • der persönlichen Risikobereitschaft,
  • dem laufenden Liquiditätsbedarf,
  • regelmäßigen Einzahlungen oder Entnahmen,
  • weiteren Vermögenswerten,
  • steuerlichen Umständen,
  • und familiären Verpflichtungen.

Ein Anleger, der sein Kapital in zwei Jahren für den Kauf einer Immobilie benötigt, braucht eine andere Struktur als ein Unternehmer, der Vermögen über mehrere Jahrzehnte erhalten und später übertragen möchte.

Auch eine scheinbar ausgewogene Verteilung ist nicht für jeden Menschen geeignet. Ein Portfolio muss nicht abstrakt möglichst effizient sein. Es muss zur konkreten Aufgabe des Vermögens passen.

Ein vereinfachtes Beispiel für ein diversifiziertes Vermögen

Ein langfristig orientiertes Wertpapiervermögen könnte beispielhaft auf folgende Funktionsbereiche verteilt werden:

FunktionsbereichMögliche Aufgabe im Portfolio
Globale AktienanlagenLangfristige Beteiligung am Wachstum von Unternehmen
Hochwertige AnleihenLaufende Erträge und mögliche Stabilisierung
Kurzfristige Anleihen und GeldmarktLiquiditätsnahe Reserve und geringere Zinssensitivität
Gold oder andere EdelmetalleErgänzende Streuung bei bestimmten Inflations- und Vertrauensrisiken
Weitere Strategien oder AnlageklassenZusätzliche Rendite- und Risikotreiber
LiquiditätKurzfristige Zahlungsfähigkeit und Vermeidung erzwungener Verkäufe

Diese Darstellung ist keine Anlageempfehlung und enthält bewusst keine festen Prozentsätze. Erst die persönliche Situation entscheidet darüber, wie stark die einzelnen Bereiche gewichtet werden können.

Ein Portfolio kann breit diversifiziert und dennoch ungeeignet sein, wenn sein Gesamtrisiko nicht zur finanziellen Situation des Mandanten passt.

Warum die Korrelation entscheidend ist

Der Nutzen der Diversifikation entsteht nicht allein dadurch, dass unterschiedliche Namen auf dem Depotauszug stehen.

Entscheidend ist, wie die Anlagen auf dieselben wirtschaftlichen Ereignisse reagieren.

Wenn zwei Vermögenswerte unter ähnlichen Bedingungen steigen und fallen, ist ihr Diversifikationseffekt begrenzt. Reagieren sie dagegen unterschiedlich, können Verluste eines Bereichs teilweise durch Stabilität oder Gewinne eines anderen Bereichs ausgeglichen werden.

Dabei ist zu beachten:

Zusammenhänge zwischen Anlageklassen sind nicht dauerhaft stabil.

In einer akuten Marktpanik können viele liquide Anlagen gleichzeitig verkauft werden. Auch historisch unterschiedlich reagierende Anlageklassen können vorübergehend gemeinsam fallen.

Diversifikation ist deshalb keine mathematische Garantie. Sie ist ein Verfahren zur Verteilung von Unsicherheit.

Diversifikation verhindert keine zwischenzeitlichen Verluste

Dieser Punkt ist für eine ehrliche Vermögensverwaltung besonders wichtig.

Auch ein breit diversifiziertes Portfolio kann in einer schweren Krise deutlich an Wert verlieren. Diversifikation soll nicht jede negative Wertentwicklung verhindern.

Sie verfolgt vielmehr mehrere realistische Ziele:

  • Konzentrationsrisiken reduzieren,
  • extreme Abhängigkeiten vermeiden,
  • unterschiedliche Ertragsquellen verbinden,
  • die Schwankungen des Gesamtvermögens begrenzen,
  • ausreichend Liquidität erhalten,
  • und die Wahrscheinlichkeit eines dauerhaften, existenziellen Verlustes vermindern.

Wer absolute Sicherheit verspricht, muss entweder auf reale Renditechancen verzichten oder blendet wesentliche Risiken aus.

Was ist Rebalancing?

Nach der ursprünglichen Aufteilung entwickelt sich ein Portfolio nicht automatisch dauerhaft entsprechend dem festgelegten Plan.

Steigen beispielsweise Aktien wesentlich stärker als Anleihen, erhöht sich ihr Anteil am Gesamtvermögen. Das Depot wird dadurch risikoreicher, obwohl der Anleger keine bewusste Entscheidung für ein höheres Risiko getroffen hat.

Beim Rebalancing werden die Gewichtungen wieder an die vereinbarte strategische Aufteilung angenähert.

Das kann geschehen durch:

  • Verkauf übergewichteter Anlagen,
  • Kauf untergewichteter Anlagen,
  • Verwendung neuer Einzahlungen,
  • gezielte Wiederanlage von Zinsen und Ausschüttungen,
  • oder Anpassung regelmäßiger Entnahmen.

Warum Rebalancing in Krisen schwerfällt

Rebalancing kann bedeuten, einen Teil der gut gelaufenen Anlagen zu verkaufen und Anlagen aufzustocken, die zuletzt gefallen sind.

Psychologisch fühlt sich das häufig falsch an.

Nach starken Kurssteigerungen möchten viele Anleger ihre Gewinner weiterlaufen lassen. Nach erheblichen Verlusten möchten sie die betroffene Anlageklasse dagegen vollständig meiden.

Eine feste Rebalancing-Systematik zwingt dazu, nicht ausschließlich der jüngsten Kursentwicklung zu folgen. Sie ersetzt jedoch keine laufende Qualitätsprüfung. Eine strukturell ungeeignete oder dauerhaft beschädigte Anlage sollte nicht allein deshalb nachgekauft werden, weil ihr Kurs gefallen ist.

Soll ein Portfolio während einer Krise vollständig umgebaut werden?

Ein vollständiger Umbau mitten in einer Krise ist häufig problematisch.

Zu diesem Zeitpunkt sind:

  • Kursverluste möglicherweise bereits eingetreten,
  • vermeintlich sichere Anlagen möglicherweise stark gestiegen,
  • Zukunftserwartungen bereits in den Preisen enthalten,
  • und emotionale Belastungen besonders hoch.

Wer in einer Krise alle Aktien verkauft und ausschließlich Gold, Bargeld oder kurzfristige Staatsanleihen kauft, trifft nicht nur eine Sicherheitsentscheidung. Er geht zugleich eine neue, sehr konzentrierte Wette ein.

Das bedeutet nicht, dass in Krisenzeiten niemals gehandelt werden sollte. Anpassungen können notwendig sein, wenn:

  • die persönliche finanzielle Situation sich verändert hat,
  • kurzfristig Liquidität benötigt wird,
  • die vereinbarten Risikogrenzen verletzt wurden,
  • einzelne Emittenten oder Produkte strukturelle Probleme aufweisen,
  • oder sich die langfristige Strategie als ungeeignet herausstellt.

Eine Krise allein ist jedoch noch kein ausreichender Grund, sämtliche langfristigen Grundsätze aufzugeben.

Typische Fehler bei der Krisendiversifikation

Alles verkaufen und auf den Wiedereinstieg warten

Für diese Strategie müssen zwei Zeitpunkte richtig bestimmt werden: der Ausstieg und der spätere Wiedereinstieg. Selbst wenn der Verkauf gelingt, fällt es vielen Anlegern schwer, während anhaltend negativer Nachrichten wieder zu investieren.

Ausschließlich auf die letzte erfolgreiche Anlage setzen

Was in der vergangenen Krise funktioniert hat, muss in der nächsten Krise nicht erneut gewinnen.

Gold mit vollständiger Sicherheit verwechseln

Gold kann einen Diversifikationseffekt bieten, aber ebenfalls deutlich im Preis fallen und über längere Zeiträume schwach abschneiden.

Viele Fonds mit ähnlichen Beständen kaufen

Mehrere Fondsnamen bedeuten nicht automatisch unterschiedliche Risiken. Häufig überschneiden sich die größten Positionen erheblich.

Nur innerhalb einer Anlageklasse streuen

Hundert verschiedene Aktien sind weiterhin ein Aktienportfolio. Eine echte Gesamtdiversifikation betrachtet auch Anleihen, Liquidität, Währungen und gegebenenfalls weitere Anlageklassen.

Rendite mit Sicherheit verwechseln

Eine Anlage mit einem hohen versprochenen Ertrag besitzt regelmäßig auch entsprechende Risiken. Hohe Zinsen sind häufig eine Vergütung für Bonitäts-, Liquiditäts- oder Währungsrisiken.

Zu häufig handeln

Ständige Umschichtungen verursachen Kosten und können steuerliche Folgen auslösen. Eine strategische Vermögensverwaltung ist nicht an der Zahl ihrer Transaktionen zu messen.

Das Gesamtvermögen nicht betrachten

Ein Depot kann ausgewogen erscheinen, obwohl das Gesamtvermögen bereits stark auf Immobilien, ein eigenes Unternehmen oder eine einzelne Währung konzentriert ist.

Was sollte vor einer Krise festgelegt werden?

Welche Verluste sind finanziell tragbar?

Nicht die subjektive Risikofreude allein ist entscheidend. Ein Anleger muss Verluste auch wirtschaftlich verkraften können, ohne geplante Ausgaben oder seine Lebensführung zu gefährden.

Wie viel Liquidität wird benötigt?

Die Reserve sollte so bemessen sein, dass nicht unter ungünstigen Marktbedingungen verkauft werden muss.

Welche Funktion hat jede Anlageklasse?

Jeder Baustein sollte einen nachvollziehbaren Zweck erfüllen. Eine Anlage sollte nicht nur deshalb gekauft werden, weil sie zuletzt gestiegen ist.

Welche Bandbreiten gelten?

Mindest- und Höchstquoten können verhindern, dass einzelne Bereiche unkontrolliert zu groß werden.

Wann wird rebalanciert?

Das Verfahren sollte vorab festgelegt werden, beispielsweise nach bestimmten Zeitabständen oder bei deutlichen Abweichungen von den Zielquoten.

Welche Ereignisse erfordern eine strategische Überprüfung?

Eine Veränderung der Lebenssituation ist häufig wichtiger als eine tägliche Börsennachricht.

Welche Aufgabe übernimmt eine Vermögensverwaltung?

In einer Krise benötigen Anleger nicht zwangsläufig mehr Prognosen. Sie benötigen vor allem:

  • eine klare Vermögensstruktur,
  • nachvollziehbare Risikogrenzen,
  • eine laufende Überwachung,
  • ausreichend Liquidität,
  • disziplinierte Entscheidungsprozesse,
  • und eine Trennung zwischen kurzfristigen Nachrichten und langfristigen Zielen.

Eine Vermögensverwaltung kann diese Aufgaben innerhalb der vereinbarten Anlagerichtlinien übernehmen.

Der Vermögensverwalter entscheidet dabei nicht nach Belieben. Er handelt auf Grundlage:

  • der finanziellen Verhältnisse des Mandanten,
  • seiner Anlageziele,
  • seiner Risikotragfähigkeit,
  • seines Anlagehorizonts,
  • seines Liquiditätsbedarfs,
  • und der vertraglich festgelegten Grenzen.

Diversifikation ist deshalb kein einmaliger Kauf verschiedener Fonds. Sie ist ein fortlaufender Prozess.

Unser Verständnis bei ArtificiumInvest

Bei ArtificiumInvest verstehen wir Vermögensverwaltung als Handwerk.

Gutes Handwerk beginnt mit einem tragfähigen Bauplan. Für ein Vermögen bedeutet das: Die Struktur muss festgelegt werden, bevor der Sturm beginnt.

Wir halten wenig von der Vorstellung, Krisen ließen sich durch ständig wechselnde Prognosen zuverlässig vorhersehen. Märkte sind komplex. Politische Entscheidungen, Zinsen, Inflation, Unternehmensgewinne und das Verhalten der Anleger beeinflussen sich gegenseitig.

Eine seriöse Vermögensverwaltung sollte deshalb nicht von einer einzigen Prognose abhängig sein.

Im Mittelpunkt stehen vielmehr:

  • eine breite Verteilung über unterschiedliche Anlageklassen,
  • die Streuung nach Ländern, Regionen und Währungen,
  • die Auswahl geeigneter Fonds und Wertpapiere,
  • die Berücksichtigung von Liquidität,
  • die laufende Überwachung der Risiken,
  • und ein systematisches Rebalancing.

Die entscheidende Leistung besteht nicht darin, jede Krise vorherzusagen. Sie besteht darin, ein Vermögen so zu strukturieren, dass nicht alles von derselben Prognose abhängt.

Fazit: Krisenfest bedeutet nicht schwankungsfrei

Ein vollständig krisenfestes Portfolio gibt es nicht.

Jede Anlageform besitzt eigene Risiken:

  • Aktien können stark im Kurs fallen.
  • Anleihen reagieren auf Zinsen und Bonität.
  • Liquidität verliert durch Inflation an Kaufkraft.
  • Gold schwankt und erzeugt keine laufenden Erträge.
  • Immobilien sind standortgebunden und nur begrenzt liquide.
  • Fremdwährungen können sich ungünstig entwickeln.
  • Alternative Anlagen können komplex, teuer und schwer veräußerbar sein.

Eine gute Diversifikation versucht deshalb nicht, Risiken vollständig zu beseitigen. Sie verteilt sie so, dass ein einzelnes Ereignis nicht das gesamte Vermögen dominiert.

Dazu gehören:

1. eine ausreichende Liquiditätsreserve,

2. weltweit gestreute Unternehmensbeteiligungen,

3. nach Bonität und Laufzeit ausgewählte Anleihen,

4. eine bewusste Verteilung auf verschiedene Währungen,

5. gegebenenfalls eine begrenzte Beimischung von Gold und weiteren Sachwerten,

6. die Vermeidung unnötiger Emittenten- und Bankenrisiken,

7. und ein regelmäßiges Rebalancing.

Die richtige Struktur hängt nicht davon ab, welche Krise gerade die Schlagzeilen bestimmt. Sie hängt von den Zielen, dem Anlagehorizont, dem Gesamtvermögen und der Verlusttragfähigkeit des Mandanten ab.

Diversifikation ist daher keine kurzfristige Schutzmaßnahme. Sie ist die grundlegende Architektur einer verantwortungsvollen Vermögensverwaltung.

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Wie robust ist Ihr Vermögen aufgestellt?

In einem persönlichen Erstgespräch betrachten wir nicht nur einzelne Wertpapiere, sondern die Struktur des gesamten Vermögens. Dabei prüfen wir, von welchen Märkten, Emittenten, Währungen und wirtschaftlichen Entwicklungen das Vermögen tatsächlich abhängig ist.

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Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information. Er stellt weder eine individuelle Anlageberatung noch eine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die genannten Anlageklassen und Beispiele sind keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Auch ein breit diversifiziertes Portfolio kann erheblichen Wertschwankungen und Verlusten unterliegen. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.


Alexander Schmidt
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